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Glossar

Glossar

α/β-Wert: Parameter, welcher die Fraktionierungssensitivität von Geweben (Tumorgewebe und „Normalgewebe“) bei RTx ausdrückt. Hoher Wert = geringer Einfluss der Fraktionsdosis auf den biologischen Effekt der RTx, geringer Wert = starke Abhängigkeit von der Höhe der Fraktionsdosis.

 

Afterloading-Therapie (Nachladeverfahren, temporäre Brachytherapie): Einbringung von speziellen Applikatoren (Nadeln, Schläuche, Ring-Stift etc.) in Körperöffnungen (intrakavitär) oder direkt in das Tumorgewebe (interstitiell). Eine kleine Strahlenquelle (192Ir) wird dann ferngesteuert über die Applikatoren in den Tumorbereich ein- und wieder herausgefahren.

 

ALK: anaplastic lymphoma kinase.

 

Atem-Gating: (siehe atemgetriggerte RTx)

 

Atemgetriggerte (atemgesteuerte) RTx: Ein Tumor im oder am Thorax verändert seine Lage mit der Atmung. Damit er nicht aus dem Bestrahlungsfeld wandert, erfolgt die RTx in einer bestimmten In- oder Exspirationslage, dabei wird die Strahlung atemgesteuert an- und ausgeschaltet.

 

Akzelerierung: Verkürzung der Gesamtbestrahlungszeit durch z.B. Hyper- oder Hypofraktionierung.

 

Boost: kleinvolumige Dosisaufsättigung der Tumorregion; das Zielvolumen entspricht dem Tumorvolumen mit Sicherheitssaum.

 

Brachytherapie, Kurzdistanztherapie: interne Strahlentherapie mit radioaktiven Quellen, die am oder im Tumor platziert werden. Die Therapieform erlaubt die Applikation von hohen Dosen im Tumor mit nur geringer Belastung der Umgebung. Die Reichweite der therapeutischen Strahlung beträgt nur wenige cm. Durchführung entweder im Nachladeverfahren (Afterloading, s.o.) oder als permanente Brachytherapie durch Dauerimplantate, die im Körper verbleiben (z.B. 125-Jod-Seeds).

 

BRAF: Gen, das für das B-raf-Protein codiert, das über den RAS-RAF-Signalweg am normalen Wachstum und Überleben von Zellen beteiligt ist. Mutierte Formen des B-raf-Proteins sind überaktiv, was zu unkontrolliertem Zellwachstum führen kann. Solche Mutationen des BRAF-Gens finden sich bei etwa 60% aller Melanome.

 

CD: Abkürzung von „Cluster of Differentiation“ (Unterscheidungsgruppen) = Gruppen immunphänotypischer Oberflächenmerkmale von Zellen, z.B. CD20 auf der Oberfläche reifzelliger B-Lymphozyten. Es sind > 300 CD bekannt, aber nicht alle sind Ansatzpunkte für moAK.

 

c-KIT: die Zellmembran durchdringende TK, die durch Mutation beim GIST, Keimzelltumor, Melanom, CML und einigen AML dauerhaft aktiviert ist. Der Nachweis gelingt immunhistochemisch. Durch therapeutische Hemmung der TK-Aktivität wird die Zellproliferation blockiert.

 

Concomitant Boost: Hyperfraktionierung mit 2 x tgl. Bestrahlung, wobei der geplante Boost jeweils zur 2. Sitzung verabreicht wird. Bewährte Form der Behandlung bei schnell wachsenden Tumoren im HNO-Bereich mit Verkürzung der Behandlungszeit.

 

3-D-Strahlentherapie (dreidimensionale oder konformale Strahlentherapie, im Text auch als „konventionelle RTx“ bezeichnet): Der Tumor wird mittels CT-Planung 3-dimensional abgebildet und kann aus beliebigen Richtungen bestrahlt werden. Dabei wird durch individuelle Blenden, elektronisch gesteuerte Multileafkollimatoren, die Tumorform je Feld nachgebildet, sodass eine genaue Anpassung an die Tumorform und -größe erreicht wird.

 

EGFR: epithelial growth factor receptor, Mitglied der ErbB-Familie, einer Unterfamilie von vier eng verwandten Rezeptor-Tyrosinkinasen: EGFR1/HER1 (ErbB-1), HER2-neu (ErbB-2), HER3 (ErbB-3) und HER4 (ErbB-4). Transmembranrezeptor mit intrazellulärer TK-Aktivität. Aktivierung durch Ligandenbindung über Dimerisierung und Signaltransduktion zur Stimulierung des Zellwachstums und Verhinderung des Zelltods.

 

EMLA-4ALK: chimäre Tyrosinkinase aus einem mutierten Fusionsgen mit der Folge einer erhöhten Zellteilungsrate. Nachweis überwiegend bei Adeno-Ka. der Lunge; therapeutische Blockade mit Crizotinib.

 

Exon: Teil eines Gens, der ein Protein kodiert, im Gegensatz zum Intron, das nicht kodiert und nach dem Spleissen herausgeschnitten wird.

 

Extended Field (EF): bei Lymphomen Bestrahlung der befallenen, der angrenzenden und der übernächsten angrenzenden Lk-Stationen.

 

Farnesyltransferase: Enzym, das das RAS-Molekül an die Zellmembran anhaftet und eine Signalübertragung von Ras ermöglicht. Die Aktivität des RAS-Signalwegs ist in Tumorzellen häufig erhöht und bewirkt eine erhöhte Zellproliferation. Durch Hemmung der Farnesyltransferase wird die RAS-Signalübertragung gestört.

 

Fraktionierung: tumorwirksame Gesamtdosis, die eingestrahlt wird, wird über 20 bis > 40 Tage in Portionen aufgeteilt, 5 x pro Woche, mit einer Einzelsitzungsdosis von 1,8–2 Gy täglich. Diese kleinen Dosen erlauben die Erholung der gesunden Zellen innerhalb von 24 Std., während die Tumorzellen mit ihrer längeren Erholungszeit nach und nach geschädigt werden.

 

Gantry: um eine Achse, das sog. Isozentrum, bzw. um den Patienten herum beweglicher Arm des Linearbeschleunigers.

 

GHD = Gesamtherddosis, GRD = Gesamtreferenzdosis: Aufaddierung der Strahlendosis im Tumorbereich, ggf. von mehreren Serien mit verschieden großen Zielvolumina.

 

HDR-Brachytherapie = High-Dose-Rate-Brachytherapie: Strahlentherapie mit einer Dosisleistung von >12 Gy pro Stunde, Strahlenquelle 192Ir. Durch die hohe Dosisleistung ist die Behandlungsdauer sehr kurz, meist nur wenige Minuten. Die Behandlung muss zur Verhinderung erhöhter Toxizität fraktioniert erfolgen (2–5 Sitzungen).

 

Heyman-Packing: Afterloading-Therapie beim Endometriumkarzinom des Uterus mit intra-kavitärer Ausfüllung des Cavum uteri mit speziellen, am Ende verdickten Schlauchapplikatoren.

 

Histondeacetylase (HDAC): HDACs sind Enzyme, die durch Deacetylierung die Bindung von Histonen an die DNA verstärken und die Transkription von genetischer Information herabregulieren. Zellen von Mamma-, Leber- oder Nieren-Ka. produzieren außergewöhnlich viel HDAC11, wodurch Tumorsuppressor-Gene und andere das Zellwachstum kontrollierende Gene inaktiviert werden.

 

Hyperfraktionierung: Aufteilung der täglichen Bestrahlungsdosis auf 2 oder mehr Fraktionen, Abstand mindestens 6 h. – Hypofraktionierung: Erhöhung der täglichen Fraktionsdosis (> 2 Gy).

 

ICD: International Classification of Diseases.

 

IGRT (image guided radiotherapy, bildgestützte Strahlentherapie): Die IMRT (s.u.) setzt eine exakte Reproduzierbarkeit der Lagerung voraus. Moderne Beschleuniger sind deshalb mit einer integrierten Röntgenröhre und digitalem Bilddetektor ausgestattet, wodurch ein Rö.-Bild o. eine CT-Aufnahme (cone-beam CT) der Bestrahlungsregion direkt vor der Therapie generiert wird. Bei Abweichung im Vergleich zum Planungsbild kann die Lagerung sofort exakt korrigiert werden.

 

IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie): Weiterentwicklung der konformalen 3-D-RTx, bei der innerhalb des Feldes zusätzlich die Dosisintensitätsverteilung (Fluenz) moduliert wird. Es entstehen durch zeitgesteuerte Verschiebung der Multileafkollimatoren „Berge und Täler“ der Dosis im Feld. Die IMRT erlaubt die RTx unregelmäßig geformter, konkav begrenzter Zielvolumina und steile Dosisbegrenzungen. Sie eignet sich vor allem für ZV mit komplexer Form u/o mit empfindlichen Risikoorganen in enger Nachbarschaft.

 

Involved node field (INF): RTx nur der isolierten befallenen Lk.

 

Involved Field (IF): Bestrahlung des engen Tumorvolumens, der befallenen Lk und der nächsten angrenzenden Lk-Station.

 

Ionen (Hadronen)-Therapie: Schwerionen-, Protonenbestrahlung: Bestrahlung mit Ionen (geladenen Teilchen). Sie hat gegenüber der konventionellen Strahlentherapie (Photonen-RTx) den Vorteil, dass sie ihr Energiemaximum („Bragg-Peak“) erst in der Tiefe des Gewebes nach Unterschreiten einer kritischen Geschwindigkeit freigibt, dadurch kann das gesunde durchstrahlte Gewebe weitgehend geschont werden. Schwerionen haben eine höhere, Protonen eine gleichartige biologische Wirkung wie Photonen.

 

k-RAS: ☞ Farnesyltransferase.

 

LDR-Brachtherapie = Low-Dose-Rate-Brachytherapie: Strahlentherapie mit einer Dosisleistung <2Gy pro Stunde, z. B. mit 125Iod-Seeds.

 

Linearbeschleuniger: Gerät für die Tumorbestrahlung mittels Photonen- und Elektronenstrahlen. Elektronen werden in einer Hochvakuumröhre durch Hochfrequenzfelder beschleunigt. Dann werden sie zur (Oberflächen-)Bestrahlung auf den Tumor geleitet oder zunächst auf ein Wolframtarget gelenkt, aus dem hochenergetische Photonen entstehen, die zur Bestrahlung tiefer gelegener Tumoren dienen.

 

Microarray: Gen-,Protein- oder Gewebechip mit der Möglichkeit der gleichzeitigen Untersuchung vieler Gene bzw. Proteine mit kleiner Probenmenge und dadurch Identifizierung bestimmter Genexpressionsmuster.

 

Mikrosatelliteninstabilität (MSI): defekte Mismatch-Reparatur in Tumorzellen mit Längenveränderungen innerhalb kurzer, repetitiver DNA-Sequenzen (Mikrosatelliten). Bei hoher MSI ist beim kolorektalen-Ka. eine adjuvante CTx nutzlos.

 

moAK: Antikörper, die von einer auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgehenden Zelllinie (Zellklon) produziert werden. An der Endung des Wortes ist die Herkunft zu unterscheiden: muriner AK -omab; Primaten-Herkunft -imab, chimärer AK (der variable Teil ist muriner, der konstante Teil humaner Herkunft) -ximab , humanisierte AK (nur die Bindungstelle ist nicht human) -zumab, voll humanisierte AK -umab.

 

M-TOR (mammalian target of Rapamycin): Protein, das bei der Signalübertragung (Phosphatübertragung) eine wichtige Rolle spielt. Die Hemmung dieser Reaktion hat eine antiangiogenetischen und antiproliferativen Effekt.

 

Myeloablative Tx: HD-Tx (CTx u/o RTx) mit dem Ziel, die Knochenmarkzellen vor einer Stammzelltransplantation zu zerstören.

 

p53: Protein, das als Wächter des Genoms gilt. Es aktiviert die DNA-Reparaturmechanismen und führt in hohen Konzentrationen zur Apoptose. Die in vielen Tumorzellen vorkommende mutierte Form ist funktional inaktiv und übt keine Kontrolle aus.

 

PDGFR (platelet derived growth factor receptor): Zellmembran-durchdringende TK in zwei Formen (α und β), die abhängig vom Wachstumsfaktor Dimere bilden (αα, αβ oder ββ) und dadurch den intrazellulären TK-Anteil aktivieren. Dies führt über eine Signalkaskade zur vermehrten Zellproliferation. Mutationen des PDFGR führen zu einer Daueraktivierung der TK.

 

Primär systemische Therapie (PSI) = neoadjuvante Tx = präoperative CTx: erster Tx-Ansatz vor einer geplanten Tumorresektion mit dem Ziel der Verkleinerung des Tumors (= bessere Operabilität) u/o In-vivo-Testung der Effektivität der CTx (☞ Mamma-Ka).

 

Proteasom: Proteinkomplex, der intrazellulär Proteine zu Fragmenten abbaut (Peptidase). Das Proteasom ist ein zentraler Schalter innerhalb der Zelle, da der Proteinabbau für die Zelle lebensnotwendig ist. Eine gezielte Hemmung des Proteasoms kann zur Apoptose führen.

 

Radiochirurgie, SRS (stereotactic radio-surgery), stereotaktische Einzeitbestrahlung: einmalige stereotaktische Bestrahlung mit Applikation der gesamten Dosis in einer einzigen Therapiesitzung. Einsatz vorwiegend bei Lungen- (gleich gutes Ergebnis wie Op. bei kleinen Tumoren) und Hirntumoren.

 

RapidArc-Technik, Volumetric modulated arc therapy (VMAT): intensitätsmodulierte RTx, die bei 1–2 Vollrotationen des Beschleunigers um den Pat. in kurzer Zeit appliziert wird. Dabei werden 3 Parameter kontinuierlich computergesteuert variiert: Position der Multileafkollimatoren, Dosisleistung und Rotationsgeschwindigkeit der Gantry.

 

RITx = Radioimmunotherapie: Kopplung von radioaktiven Isotopen (α-Strahler mit kurzer Reichweite) an moAK. Durch die spezifische Bindung der moAK an die Zielzellen ergibt sich eine hohe lokale Strahlenkonzentration.

 

Salvage-Tx: Rezidiv-Tx nach Versagen der Standard-Tx, manchmal auch als 2nd-line Tx bezeichnet. In der Regel (auch aufgrund der Vorbehandlung) mit höherem Risiko gravierender NW verbunden. Gilt sowohl für eine CTx als auch für RTx u/o Op.

 

Seed-Implantation, permanente Brachytherapie: kleine gekapselte Strahlungsquellen mit kurzer Halbwertszeit (in Deutschland vorwiegend 125Iod) in Form von kleinen Nadeln (Seeds) werden in den Tumor implantiert und verbleiben dort dauerhaft.

 

Shrinking-field-Technik („schrumpfendes Feld“): Aufteilung der GRD auf mehrere Serien mit schrittweiser Anpassung des Zielvolumens an das sich verkleinernde Volumen des Tumors.

 

Stereotaktische Strahlentherapie: Hochpräzisions-RTx durch punktgenaue perkutane Bestrahlung kleiner Tumoren (oder auch Gefäßmissbildungen) über viele Felder aus mehreren Raumrichtungen mit hoher Dosierung in wenigen Fraktionen. Dadurch wird eine weitgehende Schonung des umgebenden gesunden Gewebes erreicht. Um eine Genauigkeit im Millimeterbereich zu erreichen, sind eine optimale Fixierung des Patienten (mittels stereotaktischem Ring, Maske, Lagerungshilfen) sowie entsprechende Qualitätskontrollen erforderlich.

 

SZ-Apherese: extrakorporales Sammeln von Stammzellen durch Differenzialzentrifugation aus dem peripheren Blut mit Rücktransfusion des Restblutes.

 

SZT = Stammzelltransplantation: intravenöse Infusion von eigenen (autologen) oder fremden (allogenen) SZ. Die SZ siedeln und proliferieren im KM und können das ursprüngliche, durch eine HD-Tx u/o RTx vernichtete KM ersetzen.

 

TK = Tyrosinkinase: Proteine, die (reversibel) eine Phosphatgruppe auf die Hydroxygruppe der Aminosäure Tyrosin eines anderen Proteins übertragen und dadurch die Aktivität des Zielproteins beeinflussen. Mit diesem Prinzip werden Signale von außen in die Zelle und kaskadenartig innerhalb der Zelle übertragen. Durch die Hemmung spezifischer TK werden Signalwege blockiert.

 

Tomotherapie: Linearbeschleuniger, bei dem der Strahlerkopf bei gleichzeitigem Tischvorschub wie ein CT rotiert und eine IMRT aus 360 Grad mit komplexer und ggf. langstreckiger Dosisverteilung ermöglicht.

 

VEGF-A: Signalmolekül, das über die Bindung an einen spezifischen VEGF-Rezeptor und Aktivierung der intrazellulären TK hauptsächlich die Teilung und Migration von vaskulären Endothelzellen stimuliert. Eine erhöhte Expression von VEGF-A wird bei einer Reihe von Tumoren gefunden. Spezifische moAK können die VEGF-Moleküle binden und die Angiogenese blockieren.

 

ZV = Zielvolumen: klinisch oder bildgebend festgelegtes Bestrahlungsvolumen.

 

Zytogenetische Anomalien (t;q;del): Kurzschreibweise der Translokationen u/o Deletionen innerhalb der Chromosomen. Die erste Klammer bezieht sich auf die Chromosomen, die zweite auf die Arme und die Banden innerhalb der Chromosomen (z.B. Phildelphia-Chromosom: t(9;22)(q34;q11)).