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03/2016 - Malignitätsgrad des Prostatakarzinoms: Wird der Gleason-Score reformiert?

 

Die strikten Leitlinienanforderungen für aktives Beobachten von Patienten mit Prostatakarzinomen werden möglicherweise bald überarbeitet. Wird die prozentuale Verteilung der Differenzierungsgrade berücksichtigt, lässt sich die weitere Krankheitsentwicklung besser prognostizieren.


Ob bei einem Patienten mit frühem Prostatakarzinom invasiv behandelt werden muss oder zunächst aktiv beobachtet werden kann, hängt – so die aktuellen Leitlinien – zu einem großen Teil vom Malignitätsgrad ab.

 

Bisher galt dafür eine strikte Grenze von 3+3 (häufigster + niedrigster Malignitätsgrad auf einer Skala von 1 bis 5 [1 = größte Differenzierung; 5 = geringste Differenzierung]). Der strikte Grenzwert von 3+3 ist aktuell auch dann zu beachten, wenn nur ein kleiner Teil der Tumorzellen geringer differenziert ist (Grad 4; Gleason-Score 3+4).

 

Ärzte des Hamburger Universitätsklinikums untersuchten jetzt, ob bei genauerer Berücksichtigung der Malignitätsgrads-Verteilung bei mehr Patienten aktiv zugewartet werden kann.

 

Die Hamburger werteten die Prostatektomie-Proben von 12.823 konsekutiven Patienten sowie von 2.971 zugeordneten präoperativen Biopsien aus und verglichen sie mit den klinischen Daten der jährlichen Nachbeobachtungsuntersuchungen dieser Patienten aus den Jahren 2005 bis 2014. Dabei wurden die Anteile der Zellen mit Gleason Score 3, 4 und 5 erfasst und der Zusammenhang mit Prostataektomie-Befunden und den Prostata-spezifischen Antigen (PSA)-Werten analysiert.

 

Die Ergebnisse der Studie sprechen eindeutig für die Berücksichtigung der quantitativen Verteilung der Malignitätsgrade. Das Risiko für einen PSA-Wiederanstieg nahm mit steigendem Anteil der Gleason 4-Fraktion kontinuierlich zu. War dieser Anteil jedoch klein (maximal 15 %), hatten Patienten mit 3+4-Scores nur ein unwesentlich höheres Risiko für einen PSA-Anstieg als Patienten mit 3+3-Scores.

 

Werden diese Ergebnisse in der Praxis umgesetzt, könnte sich die Zahl der Patienten, für die ein aktives Beobachten infrage kommt, beinahe verdoppeln, schätzen die Hamburger Urologen.

 

Die genauere Abstufung des Gleason-Scores ermöglicht nicht nur bessere Voraussagen der weiteren Krankheitsentwicklung, sondern es können auch die klinischen Auswirkungen unterschiedlicher Pathologen-Beurteilungen reduziert werden, da sich die Befunde besser interpretieren lassen. Die Autoren empfehlen deshalb neben dem starren Gleason-Stadium auch die quantitative Gleason-Verteilung routinemäßig zu berücksichtigen.

 

Zusätzlich untersuchten die Hamburger die klinischen Bedeutung von DNS-Ploidität (diploid, tetraploid, anapleuid) zusammen mit prognostisch relevanten Deletionen von PTEN und 6q/15 bei 3.845 Prostatakarzinomen.

Anormale DNS-Befunde und Deletionen korrelierten mit hohem Gleason-Score, fortgeschrittenem Tumorstadium und positivem Lymphknotenstatus. Das Risiko eines PSA-Wiederanstiegs stieg vom diploiden zum tetraploiden und weiter zum anapleuiden Status signifikant an (jeweils p<0,0001). Die Korrelation nahm weiter zu, wenn zusätzlich bestimmte Deletionen (PTEN und/oder 6q/15) berücksichtigt wurden. Diese kombinierte DNA-Analyse ist, so die Autoren, bei Patienten mit Prostatakarzinom wahrscheinlich von klinischem Nutzen.

 

Quellen: Sauter G et al. Clinical utility of quantitative Gleason grading in prostate biopsies and prostatectomy specimens. Eur Urol 2015; Nov 2. pii: S0302-2838(15)01012-X. doi: 10.1016/j.eururo.2015.10.029

Lennartz M et al. The combination of DNA ploidy status and PTEN/6q15 deletions provides strong and independent prognostic information in prostate cancer. Clin Cancer Res. 2016 Jan 26. pii: clincanres.0635.2015