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11/2016 - Radikale Prostatektomie: Bessere Lebensqualität und längeres Überleben

 

Patienten mit lymphknoten-positiven und mit metastasierten Prostatakarzinomen profitieren von einer radikalen Prostatektomie. Die operative Entfernung der Prostata ist sicher, kann die Langzeit-Lebensqualität verbessern und verlängert das Überleben.

 

Die bisherige Standardbehandlung von Patienten mit metastasierten Prostatakarzinomen bei Diagnosestellung sind die Androgen-Deprivations-Therapie (ADT) oder die operative Kastration mit oder ohne antiandrogener Komponente. Es mehren sich jedoch die Hinweise, dass auch die direkte Behandlung des Primärtumors vorteilhaft sein könnte. Ein kürzlich publiziertes Review fasste die Daten, die eine Behandlung des Primärtumors unterstützen, zusammen.

 

Verschiedene retrospektive Studien, die eine gute Langzeit-Krankheitskontrolle und eine niedrige Karzinom-spezifische Mortalität beobachteten, sprechen für einen Benefit der lokalen chirurgischen Behandlung von Patienten mit Lymphknoten-Metastasen.

 

Prädiktoren für ein ungünstiges Outcome bei lymphknoten-positiver Erkrankung sind großes Lymphknoten-Volumen, hoher Gleason-Score, unbefriedigender Status der Operationsränder, adjuvante Therapien und extralymphatische Expansion. Für diese Patienten kommt in erster Linie ein multimodales Vorgehen in Betracht. Eine prospektive Studie zeigte, dass Patienten mit ungünstigen prognostischen Markern von einer ADT im Anschluss an die radikale Prostatektomie profitieren.

 

Bei primär metastasierten Prostatakarzinomen ist die radikale Prostatektomie ebenfalls häufig vorteilhaft. In einer Analyse von 8185 Patienten führte die Prostatektomie zu einer 5-Jahresüberlebensrate von 67,4 % im Vergleich zu 52,6 % mit Brachytherapie und 22,6 % ohne diese beiden Maßnahmen. Da Patienten mit metastasierten Prostatakarzinomen eine sehr heterogene Gruppe darstellen, sind hier – um Unter- oder Übertherapien zu vermeiden – die Beachtung der Tumorcharakteristika und die genaue Patientenselektion wichtig.

 

In einer Multicenter-Studie wurden bei beinahe 80 % der Patienten mit metastasierten Tumoren während und nach der radikalen Prostatektomie keine Operations-Komplikationen beobachtet und nach median 22,8 Monaten waren noch 88,7 % der Patienten am Leben.

 

Die Autoren schlussfolgern, dass die lokale chirurgische Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenen und lymphknoten-positiven Tumoren immer mehr der Standard wird. Die Behandlung führt zu dauerhafter Krankheitskontrolle und guter Lebensqualität. Bei metastasierten Prostatakarzinomen zeigen aktuelle Untersuchungen die Durchführbarkeit der radikalen Prostatektomie und Überlebensverbesserungen im Vergleich zu alleiniger ADT.

 

Moschini M et al. The impact of local treatment of the primary tumor site on node positive and metastatic prostate cancer patient. Prostate Cancer and Prostatic Disease 2016; doi: 10.1038/pcan.2016.52