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01/2017 - Prostatakarzinom: Kein erhöhtes Demenzrisiko durch ADT

 

Eine Androgen-Deprivations-Therapie (ADT) führt bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom zu keiner Steigerung des Risikos für Demenz oder Morbus Alzheimer. Das ergab eine große britische epidemiologische Studie mit mehr als 30.000 Patienten.

 

Die ADT (Hormonentzug durch Gabe von GnRH-Analoga) ist die Standardbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen. Sie kann die Progression des Karzinoms verzögern und das Überleben verlängern, ist aber auch mit Nebenwirkungen wie z.B. Frakturen oder kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert. Die verschiedentlich ebenfalls diskutierten möglichen kognitiven Einschränkungen könnten auch mit der bekannten Assoziation von altersabhängigem Testosteron-Abfall und verminderter geistiger Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Der Zusammenhang zwischen kognitiver Funktion und ADT wird dagegen kontrovers diskutiert.

 

Um mögliche Zusammenhänge zwischen ADT und kognitiver Funktion zu analysieren wurde in einer großen epidemiologischen Studie jetzt die britische Datenbank Clinical Practice Research Datalink verwendet. Die Briten selektierten eine Kohorte von 30.903 Männern, bei denen zwischen dem 1. April 1988 und dem 30. April 2015 ein nicht metastasiertes Prostatakarzinom neu diagnostiziert worden war und verfolgten den Krankheitsverlauf der Patienten bis zum 30. April 2016.

 

Mit Hilfe der Cox-Regression wurden die adjustierten Hazard Ratios und
95%-Konfidenzintervalle für Demenz bei Patienten mit ADT versus Patienten ohne ADT berechnet. Sekundäre Analysen untersuchten, ob das Risiko mit der kumulativen ADT-Dauer und/oder mit dem ADT-Typ assoziiert ist.

 

  • Während der mittleren Beobachtungsdauer von 4,3 Jahren wurde bei 799 Patienten eine Demenz neu diagnostiziert. Die Inzidenz betrug 6,0 pro 1.000 Personenjahre.
  • 293 Patienten entwickelten einen Morbus Alzheimer, 506 Patienten andere Demenz-Typen. 17.994 Patienten (58,2%) erhielten eine ADT.
  • Patienten mit ADT hatten im Vergleich zu Patienten ohne ADT kein erhöhtes Demenz-Risiko (7,4 vs. 4,4 pro 1.000 Personenjahre; adjustierte Hazard Ratio 1,02; 95% KI 0,87-1,19).
  • Das Risiko änderte sich auch nicht bei längerer ADT-Dauer und war mit unterschiedlichen ADT-Substanzen vergleichbar.
  • Zusammenhänge mit verschiedenen Demenz-Typen gab es ebenfalls nicht.

 

Quelle: Khosrow-Khavar F et al. Androgen deprivation therapy and the risk of dementia in patients with prostate cancer. J Clin Oncol 2017; 35: 201-207