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01/2017 - Früher Brustkrebs: Individuelles Schema vs. Standardtherapie

 

Bei Patientinnen mit frühem Hochrisiko-Brustkrebs führte ein individuell dosiertes, verdichtetes Chemotherapie-Schema im Vergleich zur Standardtherapie zu keiner statistisch signifikanten Verbesserung des brustkrebsfreien Überlebens. Nicht hämatologische Toxizitäten traten dagegen vermehrt auf.

 

In der Regel wird die adjuvante Chemotherapie bei frühem Brustkrebs auf der Basis der Körperoberfläche berechnet. Dieses Vorgehen berücksichtigt jedoch die großen Clearance-Unterschiede zwischen den Patienten nicht, so dass die toxischen Effekte stark differieren können. Verschiedene Berichte unterstützen deshalb eine individuelle, toxizitätsadaptierte Dosierung. Dieses Vorgehen ist aber bei Brustkrebs noch nicht etabliert.

 

Eine offene Phase-III-Studie randomisierte 2.017 Frauen, die wegen frühem, Lymphknoten-positivem oder Lymphknoten-negativem Hochrisiko-Brustkrebs operiert worden waren, zu Leukozyten-Nadir-basierter und dosisverdichteter adjuvanter Chemotherapie mit Epirubicin plus Cyclophosphamid (4 Zyklen alle 2 Wochen), gefolgt von individuell dosiertem, dosisverdichtetem Docetaxel (ebenfalls 4 Zyklen alle 2 Wochen; n=1.006) oder zu einer Standardintervall-Chemotherapie mit 3 dreiwöchentlichen Zyklen Fluorouracil plus Epirubicin/Cyclophosphamid gefolgt von 3 dreiwöchentlichen Docetaxel-Zyklen (n=1.011). Primärer Endpunkt war das brustkrebsfreie Überleben.

 

  • Während der median 5,3 Jahre Nachbeobachtung wurden 269 Brustkrebs-Ereignisse berichtet. 118 Ereignisse traten in der individuell dosierten Gruppe auf und 151 in der Kontrollgruppe.
  • Das fünfjährige brustkrebsfreie Überleben betrug bei individueller Dosierung 88,7% im Vergleich zu 85,0% in der Kontrollgruppe (Hazard-Ratio: 0,79;
    95% KI: 0,61-1,01; p = 0,06).
  • Das ereignisfreie Überleben war bei individueller Dosierung signifikant besser. Die Fünfjahresraten ereichten 86,7% bzw. 82,1% (HR: 0,79: p = 0,04).
  • Signifikante Unterschiede beim Gesamtüberleben gab es nicht (92,1% vs. 90,2%; HR: 0,77; p = 0,09).

 

Die Ergebnisse waren über alle präspezifizierten Subgruppen wie z.B. Hormonrezeptor-positive und -negative Erkrankung hinweg konsistent.

 

Dritt- oder viertgradige nicht-hämatologische Toxizitäten wurden bei 52,6% der Interventions-Patientinnen und bei 36,6% der Kontrollen beobachtet. Am häufigsten waren Fatigue, Muskel- und Knochenschmerzen und neutropenische Infektionen. Erwartungsgemäß waren bei dosisverdichteter Behandlung hämatologische Toxizitäten häufiger.

 

Quelle: Foukakis T et al. Effect of tailored dose-dense chemotherapy vs standard 3-weekly adjuvant chemotherapy on recurrence-free survival among women with high-risk early breast cancer. JAMA 2016; 316: 1888-1896. doi:10.1001/jama.2016.15865