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07/2017 - Was bringt Bevacizumab bei weit fortgeschrittenem SCLC?

 

Patienten mit weit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkarzinom profitieren von einer Behandlung mit Bevacizumab: das progressionsfreie Überleben nimmt signifikant zu, bei Patienten mit Bevacizumab-Erhaltungstherapie war auch das Gesamtüberleben besser.

 

Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) ist zwar initial gegenüber Chemotherapie sensitiv, im weit fortgeschrittenen Stadium bleibt es aber eine unheilbare Erkrankung. Die Standard-Chemotherapie des SCLC, Carboplatin oder Cisplatin plus Etoposid, wurde bereits in den frühen 80er Jahren eingeführt, seitdem gab es keine weiteren Fortschritte. Da die Neoangiogenese beim SCLC eine große Rolle spielt und mit einer schlechten Prognose assoziiert ist, setzt man jetzt große Hoffnungen auf antiangiogene Substanzen wie z.B. Bevacizumab, einen Antikörper gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor.

 

Eine italienische Studie randomisierte 204 nicht vorbehandelte Patienten mit weit fortgeschrittenem SCLC zu maximal 6 Zyklen Cisplatin/Etoposid (Gruppe A; n=103) oder Cisplatin/Etoposid plus Bevacizumab (Gruppe B; n=101). Patienten der Gruppe B ohne Progression konnten nach Abschluss der 6 Behandlungszyklen mit Bevacizumab allein bis zur Progression (maximal zusätzliche 12 Zyklen) weiterbehandelt werden. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben.

 

Nach median 34,9 Monaten Nachbeobachtung betrugen die medianen Gesamtüberlebensraten in Gruppe A 8,9 Monate und in Gruppe B 9,8 Monate. Nach einem Jahr lebten noch 25% der Patienten der Gruppe A und 37% der Patienten der Gruppe B. Der Unterschied verfehlte die statistische Signifikanz (Hazard Ratio: 0,78, 95% KI: 0,58-1,06; p=0,113). Die Ansprechraten beider Gruppen unterschieden sich ebenfalls nicht signifikant (55,3% vs. 58,4%, p=0,657).

 

Bei den Patienten, die mit Bevacizumab nach den 6 Zyklen weiterbehandelt wurden (n=41), gab es jedoch eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (Hazard Ratio: 0,60; 95%-KI: 0,40-0,91; p = 0,011), während der Unterschied beim progressionsfreien Überleben nicht signifikant war (Hazard Ratio: 0,72; 95%-KI:
0,48-1,07; p=0,095).

 

Dritt- oder höhergradige unerwünschte Ereignisse wurden bei 64 Patienten, die lediglich eine Chemotherapie erhielten, und 52 Patienten mit Chemotherapie plus Bevacizumab beobachtet. 6,8% der Patienten der Gruppe A und 14,7% der Gruppe B brachen die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab.

 

Quelle: Tiseo M et al. Italian, multicenter, phase III, randomized study of cisplatin plus etoposide with or without bevacizumab as first-line treatment in extensive-disease small-cell lung cancer: The GOIRC-AIFA FARM6MFJM trial. J Clin Oncol 2017; 35: 1281-1287