Impressum Kontakt Sitemap
Supportive Therapie - Medikamente - Supportiva

Medikamente

Supportiva

 

Defibrotid (Defitelio®)

Appl.:

i. v.; Konzentrat mit isotoner NaCl- oder G5-Lösung auf 4–20 mg/ml verdünnen und über 2 h infundieren

Ind.:

„Orphan drug status“ (EU) bei hepatischer venookklusiver Erkrankung (VOD) = sinusoidalem Obstruktionssyndrom (SOS) nach allogener SZT

Wirk.:

nicht vollständig geklärt; Prostaglandin-Anstieg (I2, E2), protektive Effekte auf vaskuläre Endothelzellen und endotheliale Matrix, wirkt antithrombotisch; unterstützt die Wirkung von tPA und PAI1

Elim.:

renale Ausscheidung (98 %), keine Interaktion mit CYP450

Dos.:

6,25 mg/kg KG alle 6 h (25 mg/kg/d)

wNW:

Blutungen, gelegentlich Hypersensitivität

WW:

bei Nieren- u. Leberfunktionsstörungen bisher keine D-Red. empfohlen;
bei Kindern und Jugendlichen von 1 Mon. bis 18 J gleiche Dosis wie bei Erwachsenen

Cave:

keine gleichzeitige Gabe von rtPA oder Antikoagulantien; NSAR nur unter Überwachung; bei Pat. mit klinisch relevanten Blutungen Defibrotid absetzen (☞ Fachinfo)

H-Form:

Dst-Fl. 200 mg (10), Preis ca. 426 € pro Dst-Fl. (Stand 7/2015)

Dexrazoxan 1) (Savene®)

Appl.:

i. v.; Savene-Pulver mit 25 ml sterilem Wasser rekonstituieren (Konz. 20 mg Dexrazoxan/ml), rekonstituierte Lösung in einen Beutel Savene-Diluent® geben (wird mitgeliefert); ☞ www.savene.com

Ind.:

Tx von Anthrazyklin-Paravasaten

Wirk.:

Wirkungsweise von Savene auf Anthrazyklin-Paravasate nicht vollständig geklärt, mögl. Zusammenhang mit der Art und Weise der Eisen-Chelatierung sowie mit Wirkung auf Enzyme (Topoisomerase II)

Elim.:

überwiegend renal (unveränderte Ausscheidung)

Dos.:

innerhalb 6 h nach Paravasation 1 000 mg/m², am 2. Tag erneut 1 000 mg/m², am 3. Tag 500 mg/m² (Inf. 1–2 h)

wNW:

Übelkeit, Leberwerte↑, CTx-bedingte Myelosuppression↑, Thrombembolierisiko

WW:

keine gleichzeitige Lokalbehandlung mit DMSO; Kühlung vor Gabe von Savene entfernen, sonst kommt der Wirkstoff nicht zum Paravasat

Cave:

nicht bei gleichz. Extravasation von Vinca-Alkaloiden oder Mitomycin C; Anwendung bei Leber- und Niereninsuffizienz nicht empfohlen

H-Form:

Dst-Fl. 500 mg (10) (11.960 € Apothekenverkaufspreis, abgefragt 08/2015)

Dexrazoxan 2) (Cyrdanax®, Cardioxane®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

Vorbeugung der kumulativen Kardio-Tox von Anthrazyklinen; Anwendung auf erwachsene Pat. mit fortgeschr. u/o met. Mamma-Ka. beschränkt, keine Zulassung bei adjuvanter Tx

Wirk.:

verhindert Bildung reaktiver Radikale im Herzmuskel

Elim.:

☞ Savene®

Dos.:

30 min vor Doxorubicin/Epirubicin das 10-Fache der Doxorubicin-Dosis als Kurzinf. (15’)
Die minimale kumulative Anthrazyklin-Dosis vor Anwendung von Dexrazoxan beträgt 300 mg/m² Doxorubicin oder 540 mg/m² Epirubicin. Das empfohlene Dosierungsverhältnis (Dexrazoxan/Doxorubicin bzw. Dexrazoxan/Epirubicin) beträgt für beide Substanzen 10:1.

wNW:

kann CTx- oder RTx-induzierte hämatolog. NW verstärken, ☞ Savene

WW:

nicht mit anderen Arzneimitteln mischen

Cave:

übliche kardiologische Kontrollen (Echo u. a.) unverändert fortsetzen;
bei Krea-Clearance < 40 ml/min Dosis halbieren

KI:

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen (Inzidenz von sekundären Neoplasien kann ansteigen) (Rote-Hand-Brief Juli 2011)

H-Form:

Dst-Fl. 500 mg (1) (ca. 285 €, abgefragt 08/2015)

Folinsäure (FA, Calciumfolinat) (Leucovorin® und viele Generika)

Appl.:

i. v., i. m., p. o.

Ind.:

in Kombination mit 5-FU zur adjuvanten und palliativen CTx des Kolon-Ka. (adjuvant: UICC IIB–III); Rescue-Tx bei HD-MTX

Wirk.:

Metabolisierung in die aktive Form (Methyl-Tetrahydrofolsäure), Umgehung der MTX-Blockade im Folatzyklus, Potenzierung der Thymidilat-Synthetase-Hemmung durch 5-FU; wirksam ist nur die S-Form (= L-Form)

Elim.:

renale Ausscheidung des aktiven Metaboliten

Dos.:

ED: als Antidot je nach MTX-Spiegel (ca. 15–30 mg alle 6 h über 36–72 h);
zur 5-FU-Modulation 20–500 mg/m²

wNW:

Allergien, in hohen Dosen GI-Störungen, Schlafstörungen, Erregungszustände, Depressionen; selten: Anfallshäufigkeit↑ bei Epileptikern; in Kombination kann das Tox-Profil von 5-FU verstärkt werden

WW:

Modulation der 5-FU-Wirkung

H-Form:

Tbl. 15 mg (10/30/50/60/84/90/100) (je nach Hersteller);
Amp. 5 mg (50), 10 mg (1), 30 mg (1/5), 50 mg (1/5/10);
L-Fl. 15, 50, 100, 200, 300, 400, 500, 600, 800, 900, 1 000 mg (1/5/10) je n. H.

Folinsäure (Dinatriumfolinat) (Oncofolic®, VoriNa®, Ribosofol®)

☞ Calciumfolinat

Dos.:

im Gegensatz zu Calciumfolinat mischbar mit 5-FU bei Dauerinf. (24–48 h)

H-Form:

L-Fl. 100, 200, 300, 350, 500, 900, 1 000 mg (je nach Hersteller)

Glucarpidase (= Carboxypeptidase G2) (Voraxaze™) (Zulassung bisher nur USA)

Appl.:

Bolus oder über 5’ i. v.; i.th. Anwendung von Glucarpidase bei i.th. MTX-Überdosierung beschrieben

Ind.:

Indikation früh prüfen und Tx früh beginnen (mögl. nicht später als 48 h nach MTX, dabei Lieferzeit beachten)

Schwellenwerte (Anhaltspunkte) für die Indikation zur Glucarpidase-Gabe

MTX-Dosis

1 g/m²

2 g/m²

5 g/m²

4 g/m²

8 g/m²

12 g/m²

MTX-Inf.-Dauer

> 24 h

 

 

> 4 h

 

 

Std. nach Start MTX

Schwellenwert der MTX-Konzentration (µmol/l)

12

≥ 50

≥ 100

≥ 250

≥ 160

≥ 310

≥ 470

24

≥ 50

≥ 100

≥ 250

≥ 25

≥ 50

≥ 75

36

≥ 7,5

≥ 15

≥ 35

≥ 5

≥ 10

≥ 16

42

≥ 3

≥ 6

≥ 16

≥ 3

≥ 6

≥ 9

48

≥ 1,5

≥ 3

≥ 7,5

≥ 2

≥ 4

≥ 6

≥ 60

≥ 1

≥ 1

≥ 2,5

≥ 1

≥ 2

≥ 3

Wirk.:

baut Methotrexat ab, aber auch Folinsäure (FA), deshalb FA-Gabe mindestens 2 Std. vor VoraxazeTM-Gabe stoppen und erst 2 Std. danach wieder beginnen; danach FA für 48 Std. in der gleichen Dosis wie vor der VoraxazeTM-Gabe fortsetzen; nach 48 Std. FA wieder nach Rest-MTX-Spiegel dosieren

Elim.:

Metabolisierung

Dos.:

50 E/kg KG

wNW:

Hautrötung, Parästhesien, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost u. a. allergische Reaktionen (→ ggf. Kortison)

WW:

2 h vor und nach Gabe von Glucarpidase keine Gabe von Folinsäure (s. o.)

Cave:

Zweit-Tx wg. evtl. Antikörperbildung nicht empfohlen

H-Form:

Packg. mit 2 Vials à 1 000 E (ca. £ 18,112 ‘plus shipping and tax’). Bisher in Europa nicht zugelassen (aber in den USA 01/12, Prescribing information: www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2012/ 125327lbl.pdf);
Beschaffung über die englische Firma Clinigen; Bestellung und Anforderungsformulare: customer.services@clinigengroup.com, Tel. (069) 22 22 34 13 (wird nach GB durchgeschaltet), Fax (0800) 5 89 24 57. Für ’Emergency Shipment’ (+44) 0 77 41 24 28 58.
Es wird empfohlen, dass sich Kliniken/Klinikapotheken, die Hochdosis-MTX einsetzen, vorab bei Clinigen als Kunde registrieren lassen. Dies dürfte die Bestellung und Lieferung wesentlich beschleunigen.
Siehe auch: www.kinderkrebsinfo.de/fachinformationen/notfallempfehlungen/methotrexat/index_ger.html

Rasburicase (Fasturtec®)

Appl.:

i. v. (in 50 ml 0,9 % NaCl über 30’ infundieren); nicht mit anderen Arzneimitteln mischen: Inf. über getrennten Zugang o. nach Unterbrechung einer anderen Inf. und Vorspülung mit 0,9 % NaCl, keine Verdünnung mit Glukose-Lsg.

Ind.:

Tx u. Prophylaxe von Hyperurikämie, Nierenversagen bei Pat. mit hämatolog.* Malignomen mit hoher Tumorlast u. Risiko eines Tumorlyse-Syndroms

Wirk.:

stark wirksames Urolytikum, katalysiert enzymatische Oxidation von Harnsäure in Allantoin (wasserlöslich, leicht renal auszuscheiden)

Elim.:

Peptidhydrolyse, renale Ausscheidung gering

Dos.:

0,2 mg/kg 1 x tgl.; max. 5–7 d (je nachdem, wie lange die Harnsäure erhöht bleibt)

D-Red.:

bei eingeschränkter Leber-/Nierenfunktion keine D-Red. notwendig

WW:

Arzneimittelwechselwirkungen unwahrscheinlich

wNW:

häufig Fieber, Erbrechen, Übelkeit; geleg. Durchfall, Kopfschmerzen, allerg. Reaktionen

Cave:

Harnsäurebestimmung wegen Abbaus ex vivo ☞ Fachinfo;
Zweit-Tx mit Rasburicase nicht empfohlen (Risiko allerg. Reaktionen);
kein Allopurinol während Rasburicase-Tx

H-Form:

Dst-Fl. 1,5 mg (3), 7,5 mg (1), bei +2 °C bis +8 °C im Kühlschrank lagern

*   Selten kann auch bei großen soliden Tumoren ein Lyse-Syndrom auftreten (CTx-empfindliche Neuroblastome, kleinzellige Bronchial-Ka., Keimzelltumoren) – auch wenn die Zulassung „formal“ auf hämatologische Malignome beschränkt ist, sollte Rasburicase in diesen Fällen erwogen werden.