Impressum Kontakt Sitemap
Supportive Therapie - Medikamente - Zytostatika

Medikamente

Zytostatika

 

Wirkmechanismus der Zytostatika

 

Innerhalb einer Gruppe haben die meisten Zytostatika vom Grundsatz her die gleichen Wirkmechanismen, die hier kursorisch aufgeführt werden. Unterschiede werden unten bei den einzelnen Zytostatika vermerkt. Die Organspezifität der Nebenwirkungen der Zytostatika ist in vielen Fällen ungeklärt.

 

Alkylanzien: DNS-Vernetzung, DNS-Protein-Vernetzung; Einzel- und Doppelstrangbrüche (z. T. zyklusspezifisch, G1-Phase).

 

Antimetaboliten: Einbau als falsches Substrat in die DNS oder RNS, Hemmung der Enzyme der DNS-Synthese und DNS-Reparatur (zyklusspezifisch, S-Phase).

 

Mitosespindelgifte: Pathologische Bildung und Stabilisierung von Mikrotubuli (Taxane), Bindung an mikrotubuläre Proteine mit Depolymerisation (Vinca-Alkaloide) oder Inhibition der Polymerisation von Tubulin-Molekülen (Eribulin) und damit Störung der Mitose (zyklusspezifisch, M-Phase).

 

Antibiotika (u. a. Anthrazykline): Interkalation in die Doppelhelix der DNS, Hemmung der Topoisomerase I und II (zyklusspezifisch, S/G2-Phase).

 

Topisomerase-Inhibitoren: Interaktion mit DNS-Reparaturenzymen: Topoisomerase I (Camptothecin-Derivate) oder II (Podophyllin-Derivate), DNS-Einzel- und -Doppelstrangbrüche (zyklusspezifisch); evtl. zusätzliche Wirkung in der S/G2-Phase.

 

all-trans-Retinsäure (Tretinoin, ATRA) (Vesanoid®)

Appl.:

p. o.

Ind.:

Remissionsinduktion bei akuter Promyelozyten-Leukämie (APL; ☞ Kap. A1); 1st-line- und 2nd-line-Tx

Wirk.:

Bindung von ATRA an nukleären Rezeptor (PML-RARα), Induktion der Differenzierung von Blasten/Promyelozyten zu reiferen Granulozyten

Elim.:

Metabolisierung in der Leber durch CYP2C8 (Induktion bei Dauergabe), Ausscheidung renal und fäkal

Dos.:

bei APL 45 mg/m² (Pat. > 20 J), aufgeteilt auf 2 Tagesdosen, maximale Behandlungsdauer 90 d

wNW:

ZNS, Haut, Gelenk- u. Muskelschmerzen, Skelettsystem, Stoffwechsel (Hyperkalzämie, Hyperlipidämie), Niere, Transaminasen↑, Hyperleukozytose; Pseudotumor cerebri; potenziell lebensbedrohliches APL-Differenzierungssyndrom (ATRA-Syndrom): Fieber, Lungeninfiltrate, Dyspnoe, Pleura- u. Perikarderguss, Flüssigkeitseinlagerung (Tx und Prophylaxe mit Kortikosteroiden, ☞ Kap. A1, Studienprotokolle)

WW:

keine zeitgleiche Gabe von Tetrazyklinen (additive Hirndruckerhöhung!), keine Gabe von Vit. A, ↑Gefahr der Hypervitaminose

Cave:

Resorption individuell unterschiedlich

H-Form:

Weichgelatine-Kps. 10 mg (100)

Anagrelid (Xagrid®)

Appl.:

p. o.

Ind.:

Risiko-Pat. mit essenzieller Thrombozythämie (☞ Kap. A9), wenn die bisherige Tx nicht verträglich oder nicht ausreichend wirksam ist

Wirk.:

nicht vollständig geklärt, Reduktion von Größe und Ploidie der Megakaryozyten

Elim.:

Metabolisierung in der Leber über CYP1A2, Ausscheidung der Metaboliten im Urin

Dos.:

Startdosis: 2 x tgl. 0,5 mg, nach 1 Wo. individuell um 0,5 mg steigern bis zur max. ED von 2,5 mg/d, Dosisanpassung nach Thrombozytenzahl (Ziel < 600 000/µl, ideal 150–400 000/µl); D-Red. bei NW

wNW:

Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Palpitationen, Durchfall, Ödeme, Anämie, Exantheme, selten Haarausfall, selten Kardiomyopathie, bisher kein Anhalt für Kanzerogenität

WW:

hemmt die Phosphodiesterase III, daher Vorsicht bei Komedikation mit Milrinon u. ä. Substanzen; Sucralfat hemmt die Resorption;
ASS: Thrombozytenaggregationshemmung wird additiv gesteigert

Cave:

bei schweren kardiovaskulären sowie bei Nieren- und Lebererkrankungen Nutzen-Risiko-Abwägung, vorsichtige Dosissteigerung

H-Form:

Kps. 0,5 mg (100)

Arsentrioxid (Trisinox®)

Appl.:

Inf.

Ind.:

APL (t(15;17)-Translokation u/o PML/RAR-alpha-pos.) mit niedrigem bis mittlerem Risiko als 1st- (in Komb. mit ATRA) o. 2nd-line Mono-Tx (nach ATRA oder CTx)

Wirk.:

nicht geklärt; Fragmentierung der DNS, Abbau des Fusionsprot. PML/RAR-alpha

Elim.:

Met. in der Leber, Ausscheidung im Urin

Dos.:

Primär-Tx: Induktion: 0,15 mg/kg/d als Inf. bis zur CR; Ende der Tx, wenn keine CR nach 60 Tagen
Konsolidierung: 0,15 mg/kg/d Tag 1–5 x 4 Wo., dann 4 Wo Pause; Wdh 4 x (insges. 32 Wo)
Sek.-Tx: Induktion gleich, Konsolidierung jeweils 5 Wo. Tx und 5 Wo. Pause, Wdh. 4 x (insges. 40 Wo.)

wNW:

APL-Diff.-Syndrom (siehe Kap. A1, APL)
QT-Zeit-Verlängerung (Risiko für Torsade de Pointes)
Elektrolyt-Verschiebungen, BZ, Parästhesien, Schwindel, Tachykardie, Nausea, Emesis, Pruritus, Fieber, Fatigue

WW:

keine Ko-Med. mit anderen Med., die ebenfalls eine QT-Zeit-Verlängerung herbeiführen können

Cave:

Häufige Laborkontrollen!
Vorsicht bei eingeschränkter Leber- u/o Nierenfunktion

H-Form:

Dst.-Fl. 1ml (1 mg) (1)

Asparaginase (ASP) (Asparaginase medac)

Appl.:

i. v., i. m.

Ind.:

ALL, NHL (Kinder)

Wirk.:

intravasaler Abbau von Asparagin, das in bestimmten malignen lymphatischen Zellen nicht synthetisiert werden kann

Elim.:

Abbau zu Aminosäure und Peptiden

Dos.:

ED: ca. 200–1 000 E/kg KG über 5–10 d;
D-Red. bei Fibrinogen < 80 mg/dl und AT III < 70 %: Substitution mit Frischplasma; bei Fibrinogen < 50 mg/dl und Quick < 30 % Tx-Pause

wNW:

KM; allergische Reaktionen, Leberfunktionsstörungen, Blutgerinnungsstörungen (Fibrinogensynthese-Hemmung), ANE-Syndrom, bes. unter Kortikoidgabe ↓ Glukosetoleranz mit ↑ Insulinspiegel (Hyperglykämie, Ketoazidose), Pankreatitis; ZNS: akut Lethargie u. Somnolenz bis zum Koma, chronisch-hirnorganisches Psychosyndrom

WW:

mit MTX und Cytarabin: synergistische W↑ bei Gabe vor ASP oder antagonistischer Effekt bei Gabe nach ASP, daher um 12–24 h versetzte Gabe;
T↑ von Vincristin → Gabe 12–24 h nach VCR;
Kortikoide: verstärkte Senkung von AT III und Fibrinogen

Cave:

Allergien, wahrscheinlich durch E.-coli-Protein-Verunreinigung; bei erneuter Behandlung evtl. vorher Desensibilisierung mit aufsteigender Menge (1–2–4–8–16 E etc. alle 10 min) oder Umstellung auf Peg-Asparaginase (andere bakt. Herkunft)

H-Form:

Dst-Fl. 5 000 E (5), 10 000 E (5)

Azacytidin (Vidaza®)

Appl.:

s. c.

Ind.:

MDS mit intermediärem Risiko 2 oder hohem Risiko nach IPSS, CMML mit 10–29 % Knochenmarkblasten ohne myeloproliferative Störung, AML mit 20–30 % Blasten und Mehrliniendysplasie

Wirk.:

DNS-Hypomethylierung: Normalisierung der Zellzyklusregulation und -differenzierung, direkte Zytotoxizität durch Einbau in RNS und DNS

Elim.:

hepatische Metabolisierung (nicht über CYP), renale Ausscheidung

Dos.:

75 mg/m² s. c. Tag 1–7 q4w, Minimum von 6 Zyklen, sonst bis zum Progress; Dosisanpassung bei hämatologischen u. renalen NW ☞ Fachinfo

wNW:

Neutro-/Thrombozytopenie, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation, Reaktionen an der Injektionsstelle

KI:

fortgeschrittene maligne Lebertumoren (Serumalbumin < 30 g/l)

H-Form:

Dst-Fl. 100 mg

Bendamustin (Levact®)

Appl.:

i. v. (nur in NaCl 0,9 %)

Ind.:

1st-line-Tx der CLL (Binet-Stadium B o. C), wenn Fludarabin-CTx ungeeignet ist; Mono-Tx des indolenten NHL bei Rituximab-refraktären Pat.
Pat. > 65 Jahre mit MM (Stadium II mit PD o. III) in Kombination mit Prednison (Pat. ungeeignet für eine SZT u/o Kl für Thalidomid o. Bortezomib wegen klinischer Neuropathie)

Wirk.:

Alkylans

Elim.:

hepatische Metabolisierung (CYP1A2), renale und biliäre Ausscheidung

Dos.:

NHL: 90–120 mg/m² Inf. (30–60’) Tag 1+2 q3–4w;
multiples Myelom: 120–150 mg/m² Inf. (30–60’) Tag1+2 q4w;
CLL: 70–100 mg/m² Inf. (30–60’) Tag 1+2 q4w;
D-Red. auf 50 % bei Bilirubin 1,2–3 mg/dl

wNW:

KM, Fatigue, Übelkeit und Erbrechen, Haut-Tox, Allergien, Fieber, Alopezie Grad I/II

WW:

Gabe in Kombination mit Ciclosporin oder Tacrolimus kann zu exzessiver Immunsuppression mit dem Risiko einer Lymphoproliferation führen

KI:

eingeschränkte Nierenfunktion (GFR < 10 ml/min), schwere Leberparenchymschäden, Ikterus, bestehende KM-Depression, größerer chir. Eingriff < 30 d vor Tx

Cave:

keine Komedikation mit Allopurinol (→ schwere Hautreaktionen bis zur toxischen Epidermolyse): kein Allopurinol unter Tx bis 24 h nach der B.-Gabe

H-Form:

Dst-Fl. 25 mg (5/10/20), 100 mg (5)

Bleomycin (Bleomedac®, Bleo-cell®, Bleomycin Hexal)

Appl.:

i. v., i. a., i. m., s. c., intrapleural, topisch

Ind.:

Hodentumoren (Nichtseminome u. Seminome), Hodgkin-/Non-Hodgkin-Lymphome, palliative intrapleurale Tx maligner Pleuraergüsse

Wirk.:

DNS-Fragmentierung und Hemmung der Repair-Enzyme (zyklusspezifisch, G2/M-Phase)

Resistenz:

Steigerung der Hydrolasen (schneller Abbau), erhöhte Repairmechanismen

Elim.:

renal, Inaktivierung durch Hydrolasen (geringe Aktivität in Lunge und Haut!)

Dos.:

ED: 15–30 mg (absolut) (topisch/intrapleural: 60 mg); MD (kumulativ) 400 mg;
D-Red. um 50 % bei GFR < 25 ml/min, Leberfunktionsstörungen, schlechtem AZ und im höheren Lebensalter

NW:

Anaphylaxie oder anaphylaktoide Reaktionen (selten; meist bei Lymphomen → Vortestung!), Hyperpyrexie, Lunge (führt in 10 % der Fälle zur Pneumonitis), Haut (Hyperpigmentierung, Erytheme, Exantheme, Hyperkeratose), Mukositis, Diarrhö, Recall-Phänomen bei RTx

KI:

unter Tx: Früherkennung von Lungen-Tox (Klinik, Lungenfunktion, ggf. Rö oder CT); relative KI: vorausgegangene RTx von Lunge o. Mediastinum, COPD

WW:

T↑ (Lunge) durch andere Zytostatika, die ebenfalls pulmotoxisch sind (BUS, CTX, Melphalan, MMC), sowie durch eine RTx der Lunge;
T↑ durch Phenothiazin (Abbau über das Cytochrom-P450-System) und Cisplatin (Hemmung der Ausscheidung)

Cave:

Hypersensitivität (Testdosis 1–2 mg);
Inaktivierung durch Chelatbildung mit 2- und 3-wertigen Kationen (Kupfer) und Substanzen mit einer Sulfhydrylgruppe (Glutathion);
Bleomycin ist mit vielen anderen Medikamenten nicht kompatibel (☞ Fachinfo), daher grundsätzlich getrennt applizieren;
Narkose nach Bleomycin-Tx nur mit niedriger alveolärer O2-Konzentration auch Jahre nach Bleomycin-Tx!

H-Form:

Dst-Fl. 15 mg (1), 30 mg (1)

Busulfan (BUS) (Myleran® (p. o.), Busilvex® (i. v.))

Appl.:

p. o. (rasche, gute, sehr variable Bioverfügbarkeit 68 %; Einnahme mit reichlich Flüssigkeit während oder kurz nach der Mahlzeit), i. v.

Ind.:

CML, HD-Tx zur Konditionierung vor einer konventionellen SZT in Kombination mit Cyclophosphamid oder Melphalan

Wirk.:

Alkylierung, DNS-Crosslinks

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: Induktionsphase: 0,06 mg/kg KG/d;
HD (SZT) 0,8 mg/kg KG alle 6 h über 4 d; MD nicht über 500 mg (HD);
Dauer-Tx: 0,5–2 mg, D-Red. bei KM-Insuffizienz

wNW:

KM (dosislimitierend), Lunge (Einzelheiten ☞ Fachinfo), sek. AML, Hyperpigmentierung; HD-Tx: GI- und Hepato-Tox (Lebervenenverschluss), Krampfanfälle, Alopezie, hämorrhag. Zystitis, Amenorrhö ☞ Fachinfo

WW:

RTx des Thorax oder hohe O2-Gaben können die pulmonale Tox (noch Jahre nach Tx!) erhöhen, additive pulmonale Tox mit anderen Zytostatika; keine gleichzeitige Gabe von Thioguanin (Hepato-Tox); Paracetamol kann die Clearance vermindern (CYP3A4)

Cave:

Einsetzen der Wirkung nach 10–14 d, Fortdauer bis einige Wo. nach Absetzen;
Blutbildkontrolle mindestens wöchentlich;
i. v.-Gabe: Stabilisierung der Fertiglösung ☞ Fachinfo

H-Form:

Film-Tbl. 2 mg (25/100)
L-Fl. 60 mg (8)

Cabazitaxel (Jevtana®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

mit Docetaxel vorbehandeltes, kastrationsresistentes met. Prostata-Ka.

Wirk.:

Mikrotubuli-Inhibitor, Mitosehemmung

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4; Ausscheidung fäkal (76 %), renal (4 %)

Dos.:

25 mg/m² Inf. (60’) q3w

Prämed.:

30’ vor jeder Anwendung: Antihistaminikum i. v. (z. B. 5 mg Dexchlorpheniramin o. 25 mg Diphenhydramin), 8 mg Dexamethason und H2-Antagonist (z. B. Ranitidin), tgl. 10 mg Prednison oder Prednisolon p. o. während des gesamten Behandlungszeitraums

wNW:

Anämie, Leukopenie, Neutropenie, Thrombozytopenie und Diarrhö

WW:

OATP1B1-Substrate, Lebendimpfstoffe

KI:

KM-Depression, eingeschränkte Leberfunktion

Cave:

Prämedikation beachten (s. o.)

H-Form:

Inf.-Konz. 60 mg (1)

Capecitabin (Xeloda® und viele Generika)

Prodrug, wird intrazellulär durch Thymidinphosphorylase zu 5-FU hydrolysiert – dieses Enzym ist in Tumorzellen stärker aktiviert

Appl.:

p. o., rasche, vollständige Resorption; Einnahme mit Wasser, 30’ nach der Mahlzeit

Ind.:

adjuvante Tx des Kolon-Ka. (Stadium III), met. kolorektales Ka., fortgeschr. Magen-Ka. (in Kombination mit Platin-Derivaten), met. Mamma-Ka.

Elim.:

Metabolisierung und renale Ausscheidung

Dos.:

Mono-Tx: 1250 mg/m² 2 x tgl., Tag 1–14 q3w;
D-Red. bei Tox WHO-Grad 2 auf 75 %, bei persist. Tox auf 50 %;
in Komb. mit anderen Zytostatika je nach Schema: 800–1 000 mg/m² 2 x tgl., Tag 1–14 q3w, oder 625 mg/m² 2 x tgl. fortlaufend

wNW:

Diarrhö, KM-Tox, ANE-Syndrom, Schwindel, Müdigkeit;
Hand-Fuß-Syndrom (HFS) in ca. 20 % → ggf. reduziert Vit. B6 100 mg/d die weiteren NW (nicht empfohlen bei Kombination mit Cisplatin), Akut-Tx mit Hydratation der Haut, Lanolin-Salbe

WW:

T↑ durch Folinsäure; W↑ durch Antazida, Al/Mg-haltige Medikamente

KI:

bekannter DPD-Mangel (Test auf Exon-14-Skipping nicht obligatorisch gefordert, da neg. Test eine Defizienz nicht ausschließt); gleichzeitige Tx mit Sorivudin o. Brivudin (Zostex®); schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung (☞ Fachinfo)

H-Form:

Filmtbl. 150 mg (60), 500 mg (120)

Carboplatin (viele Generika)

Appl.:

i. v., topisch (intraperitoneal)

Ind.:

Bronchial-, Ovarial-, Zervix-, Kopf-Hals-Ka.

Elim.:

geringe Metabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 300–400 mg/m² Inf. (15’), besser nach AUC! (Calvert-Formel, ☞ www.globalrph.com/carboplatin.htm);
Mono-Tx (q4w): ED = AUC 5–7(9) x (GFR + 25);
Kombinations-Tx: ED = AUC 2–6 x (GFR + 25);
D-Red. bei a) KM-tox. Vorbehandlung o. ausgedehnter RTx, b) Niereninsuffizienz (s. u.)

 

Dosisanpassung von Carboplatin (☞ Fachinfo)

 

GFR (ml/min)

Thrombozyten (x 1 000/µl)

max. Gesamtdosis (mg)

 

< 20

> 200

KI, individ. nur nach AUC!

 

30–60

100–200

300

 

30–60

> 200

450

 

> 60

100–200

450

 

60–80

> 200

600

 

80–100

> 200

750

 

> 100

> 200

900

wNW:

KM, insb. Thrombozytopenie – max. nach 21 d (stärker als Cisplatin); Niere, Gehör, periphere Nerven, Emesis (geringer als Cisplatin), Hyperurikämie, Alopezie, allerg. Reaktionen, Fieber, Schüttelfrost, Elektrolytverschiebung: Abfall von Mg2+, Na+, K+, Herzrhythmusstörung

WW:

Nephro- und Oto-Tox↑ durch Komedikation (Aminoglykoside, Schleifendiuretika), erniedrigter Spiegel von Diphenylhydantoin;
W↑ durch Hyperthermie (experimentell)

Cave:

nur in Glucose 5 % verdünnen;
nicht mit 5-FU, Na-Bicarbonat oder Mesna in Parallelinfusion

H-Form:

L-Fl. 50 mg, 150 mg, 450 mg (jeweils: 1/5/10), 600 mg (1), 1 000 mg (1)

Carmustin (BCNU) (Carmubris®)

Appl.:

streng i. v. unter Lichtschutz

Ind.:

Hirntumoren, Hirn-Met., multiples Myelom, maligne Lymphome, GI-Tumoren

Wirk.:

Alkylierung von DNS und RNS (zyklusspezifisch)

Elim.:

hepatischer Abbau (partiell) über CYP3A4, renale (70 %) Ausscheidung

Dos.:

ED: Mono-Tx: 200 mg/m² Inf. (60’);
MD: bei > 1 000 mg/m² Gefahr der Lungenfibrose;
D-Red. bei Nieren- oder KM-Insuffizienz

wNW:

schwere Emesis (Prophylaxe!), ANE-Syndrom, KM (verzögert nach 2–4 Wo.), lokale NW (Schmerz), Lungenfibrose, selten Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Alopezie, sekundäre Leukämien (5–10 %)

WW:

verstärkte KM-Schädigung bei Kombinations-Tx

Cave:

Carmustin-Lösungen in Plastikflaschen sind instabil, Injektionslösung enthält Alkohol; langsame Injektion nur in große Venen oder (besser) Infusion in 500 ml NaCl 0,9 % über 1–2 h (sonst Gefahr der lok. Thrombophlebitis)

H-Form:

Dst-Fl. 100 mg (1/10)

Chlorambucil (Leukeran®)

Appl.:

p. o., schnelle und gute Resorption bei Nüchterneinnahme (mit reichlich Flüssigkeit mind. 1/2 h vor einer Mahlzeit)

Ind.:

CLL, indolente B- und T-Zell-Lymphome

Elim.:

Aktivierung in der Leber, Metabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

NHL u. CLL: Mono-Tx: 0,4 mg/kg KG Tag 1 q2w, Dosissteigerung ab 2. Zyklus stufenweise um 0,1 mg/kg KG möglich; in Kombination mit Prednison: 5 mg/m² Tag 1–3 q2w, Dosissteigerung ab 2. Zyklus um 1,3 mg/m²;
M. Waldenström: 0,1 mg/kg KG/d oder 0,3 mg/kg KG Tag 1–7 q6w ± Prednison;
D-Red. bei KM-Insuffizienz und Medikamenten (☞ WW)

wNW:

KM, GI-Tox, Stomatitis, Lungenfibrose, Pneumonitis, Amenorrhö und Azoospermie (bei Gesamtdosis > 400 mg), Fieber, Allergien, Leberfunktionsstörungen, periphere Neuropathie, Krampfanfälle; bei Überdosierung: Erregungszustände, Ataxien, Grand-mal-Anfälle

WW:

T↑ unter Phenylbutazon-Derivaten (D-Red.)

H-Form:

Tbl. 2 mg (25/50)

Cisplatin (viele Generika)

Appl.:

i. v., i. a., intraperitoneal

Ind.:

Hoden-, Ovarial-, Endometrium-, Zervix-, Blasen-, Prostata-, Bronchial-, obere GI- und Kopf-Hals-Ka., adjuvante + neoadjuvante Tx beim Osteosarkom

Wirk.:

Crosslinks der DNS über Guanidin

Elim.:

rasche Hydroxylierung (aktive Metaboliten), renale Ausscheidung

Dos.:

ED 50–120 mg/m² Inf. (30–60’) pro Zyklus;
MD ca. 500 mg/m², Gefahr der Kumulation;
empfohlene Mindestinfusionszeiten: ≤ 20 mg/m²: 30 min; > 50 mg/m²: 60 min

KI:

GFR < 60 ml/min → Tx-Pause bis Kreatinin < 1,5 mg/dl

wNW:

ANE-Syndrom, Niere, periphere Nerven, Innenohrschäden (prä-Tx Audiogramm), periphere Neuro-Tox (Reflexausfall, Muskelschwäche), Hyperurikämie, KM, Elektrolytverschiebungen (Abfall von Ca2+, Mg2+, Na+, K+) → Substitution mit MgSO4 (10–20 mval), Herzrhythmusstörung

WW:

Nephro- und Oto-Tox↑ durch Komedikation (z. B. Aminoglykoside, Amphotericin B, Schleifendiuretika);
Inaktivierung durch Mesna (ebenso durch Na-Thiosulfat);
W↓ von Antikonvulsiva (Dosisanpassung!);
Raynaud-Phänomen beschrieben nach Kombination mit Bleomycin oder Vinblastin;
sensorische Neuro-Tox↑ in Kombination mit Taxanen;
in vitro Strahlensensibilisierung hypoxischer Zellen

Cave:

wegen der ausgeprägten Nephro-Tox forcierte Zwangsdiurese (> 200 ml Urin/h) mit isotoner NaCl (vor und nach Tx ca. 500–1 000 ml pro 50 mg Cisplatin); Schleifendiuretika nur bei Wasserretention indiziert

H-Form:

L-Fl. 10 mg (1/10), 25 mg (1/5/10), 50 mg (1/5), 100 mg (1/5);
Dst-Fl. 100 mg (1/10)

Cladribin (2-CDA) (Leustatin®, Litak®)

Appl.:

i. v. als kont. Inf., s. c. (Lichtschutz)

Ind.:

Haarzell-Leukämie

Wirk.:

Hemmung der Ribonukleotid-Reduktase, der DNS-Synthese und der DNS-Reparatur; auch in der G0-Phase wirksam!
Cladribin ist liquorgängig

Elim.:

renale Auscheidung

Dos.:

ED: Litak: 0,14 mg/kg KG s. c. Tag 1–5;
Leustatin: 0,09 mg/kg KG (3,6 mg/m²) Tag 1–7 als kont. Inf. (24 h);
D-Red. bei schwerer Niereninsuffizienz (KI bei Krea-Clearance < 50 ml/min) und schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh 3/4)

wNW:

KM (Vorsicht bei hochgradiger KM-Infiltration), Nausea, Emesis, Leber, Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infektneigung wegen Suppression der CD4- und CD8-Lymphozyten

WW:

keine Kombination mit anderen Zytostatika oder mit Kortikoiden, potenzielle Kreuzresistenz mit anderen Nukleosidanaloga wie Fludarabin oder 2’-Deoxycoformycin

KI:

ADA-Defizienz; keine gemeinsame Anwendung mit Didanosin, Tenofovir, Adefovir

H-Form:

Amp. 10 mg (1/5)

Clofarabin (Evoltra®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

zugelassen für die 3rd-line-Tx der ALL bei Kindern; für AML keine Zulassung (off-label use)

Wirk.:

Purinnukleosid-Analogon mit Hemmung der Ribonukleotid-Reduktase und DNS-Polymerase

Elim.:

geringe hepatische Metabolisierung, renale Ausscheidung (60 %)

Dos.:

  1. 52 mg/m² Inf. (2 h) Tag 1–5 q2–6w
  2. 40 mg/m² Inf. (1 h) Tag 1–5, nach 4 h gefolgt von Cytarabin bei Kindern (ALL)
  3. 30 mg/m² Inf. (1 h) Tag 1–5, gefolgt von Cytarabin bei älteren Pat. (AML)

wNW:

Capillary-Leak-Syndrom, Fieber, KM-Tox, ANE-Syndrom, Transaminasenerhöhung

WW:

Medikamente, die tubulär ausgeschieden werden

H-Form:

L-Fl. 20 mg (1)

Cyclophosphamid (Endoxan®, Cyclophosphamid Hexal und andere Generika)

Appl.:

i. v., p. o. (Bioverfügbarkeit ca. 90 %); Serumspiegel nach p. o. und i. v. Gabe bioäquivalent. Drg. unzerkaut 1/2 bis 1 h vor den Mahlzeiten mit Wasser einnehmen (keine Milch)

Ind.:

maligne Hämoblastosen und solide Tumoren; auch zur Immunsuppression bei Autoimmunerkrankungen sowie bei Organ- und SZ-Transplantation

Wirk.:

alkylierend, DNS-Synthese-Hemmung; zyklusspezifisch; wird in der Leberzelle aktiviert (W↓ bei Leberfunktionsstörung)

Elim.:

Metabolisierung, renale Ausscheidung (Cyclophosphamid ist dialysierbar)

Dos.:

ED: ND: 500–1 000 mg/m² Inf. (30-120’); HD: bis 16 g/m²;
Dauer-Tx p. o.: 50–100 mg/m²/d;
D-Red. bei schwerer Leber- und Nierenfunktionsstörung

wNW:

KM, ANE-Syndrom, Alopezie, Hypo-/Azoospermie, Lunge (Pneumonitis), Leber, Haut;
Zystitisprophylaxe mit Mesna (ab Dosis > 400 mg/m²), ☞ Kap. D3.1;
spezifische Tox: bei HD-Tx (60–75 mg/kg KG) Kardio-Tox!

WW:

T↑ bei Allopurinol-Gabe;
W↑ der Sulfonylharnstoff-Derivate (Blutzuckersenkung) und der depolarisierenden Muskelrelaxanzien durch Verringerung der PseudoChE-Konz. (Apnoe);
↑ Kardio-Tox der Anthrazykline und bei RTx der Herzregion;
Immunsuppression → abgeschwächte Immunisierung nach Vakzinierung mögl.

Cave:

verzögerte Clearance bei stark übergewichtigen Pat.

H-Form:

Drg. 50 mg N2 (50), N3 (100); Tr-Fl. 100 mg (1/10), 200 mg (1/10), 500 mg (1), 1 000 mg (1)

Cytarabin (Cytosin-Arabinosid, AraC) (AraCell®, Cytarabin Hexal)

Appl.:

i. v., i. m., s. c., i.th.

Ind.:

refraktäre indolente und aggressive Lymphome, Leukämien;
Konsolidierung der Remission bei AML (Pat. < 60 Jahre)

Wirk.:

Antimetabolit, Blockierung der DNS-Synthese und -Reparatur

Elim.:

Metabolisierung zu Ara-U, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: LD-Tx: 10–15 mg s. c./d x 21; ND-Tx: 100–200 mg/m²/d x 5–10;
HD-Tx (cave: bes. Tox): 1–3 g/m² Inf. (1–3 h) alle 12 h für 4–6 d;
D-Red. bei Alter > 65 J! D-Red. bei HD-Tx und Leberfunktionsstörung

wNW:

KM, ANE-Syndrom, Mukositis, Diarrhö, pulmonale Tox (akutes Lungenödem, insb. bei HD-Tx);
Cytarabin-Syndrom: Fieber, Myalgien, Knochen- und Brustschmerzen, makulopapulöser Ausschlag, Konjunktivitis*, Unwohlsein → Gabe von Kortikoiden;
bei HD-Cytarabin-Tx: zerebrale und zerebelläre Funktionsstörungen

WW:

keine simultane Infusion mit Fluorouracil oder Methotrexat (physikalische Unverträglichkeit);
Digitalis-Spiegel überwachen, Gefahr der Überdosierung;
Hinweise für Verminderung der Gentamycin- und Fluorocytosin-Wirkung

H-Form:

Dst-Fl. 100 mg (1/10), 1 000 mg (1/10), 2 000 mg (1/10); 4 000 mg (1)

*   zur Prophylaxe bei HD-Cytarabin: Dexamethason-Augentropfen und Augenwaschungen mit steriler NaCl 0,9 %

Cytarabin (liposomale Depotform) (DepoCyte®)

Appl.:

i.th.

Ind.:

intrathekale Tx der Meningeosis lymphomatosa

Elim.:

Metabolisierung, geringe systemische Exposition

Dos.:

ED: 50 mg (abs.) i.th. über (1–5’) q2w x 5, dann q4w;
D-Red. bei Alter > 65 J!

wNW:

Arachnoiditis (Kopfschmerzen, Übelkeit, Emesis, Nackensteife, Fieber)

WW:

keine bekannt

H-Form:

L-Fl. 50 mg (1), Kühlkette beachten!

Dacarbazin (DTIC, DIC) (Detimedac®, Dacarbazin Lipomed)

Appl.:

rasche Infusion in große Vene unter Lichtschutz (lokaler Schmerz)

Ind.:

mal. Melanom, fortgeschr. M. Hodgkin, Kaposi- und Weichteilsarkom

Wirk.:

Methylierung von Guanidin in der DNS, Hemmung der DNS-, RNS- und Proteinsynthese; keine Crosslinks wie die typischen Alkylantien

Elim.:

geringe Metabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 150–250 mg/m² Bolus-Inj. (> 1’) oder Inf. (15’) Tag 1–4 oder 850 mg/m² Inf. (15’) Tag 1, q3w
D-Red. bei Niereninsuffizienz

wNW:

KM (verzögert nach 2–4 Wo.), ANE-Syndrom, Fieber, Alopezie, Haut, selten Leber (Budd-Chiari-Syndrom), Lunge (Pneumonitis)

WW:

↑ Kardio-Tox der Anthrazykline; W↑ durch Hyperthermie

Cave:

hohe emetogene Potenz; Sonne meiden (Photosensitivität!); Paravasat unbedingt vermeiden!

H-Form:

Tr-Fl. 100 mg (10), 200 mg (10), 500 mg (1), 1 000 mg (1)

Dactinomycin (DACT, ActD) (Lyovac-Cosmegen®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat)

Ind.:

Wilms-Tumor, Rhabdomyosarkom, Ewing-Sarkom, Chorion-Ka.

Wirk.:

Interkalation in die Doppelhelix, mRNS-Synthese-Hemmung, Topoisomerase-II-Hemmung

Elim.:

geringe Metabolisierung; Ausscheidung renal und biliär

Dos.:

ED: 0,4–0,6 mg/m²/d x 5 (entweder in Glucose 5 % verdünnen oder im Bypass zur laufenden Infusion als Bolus);
D-Red. (50 %) bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung

wNW:

Anaphylaxie, KM, ANE-Syndrom, Stomatitis, Magen-Darm-Ulzera (bis zu 14 d nach Ende der Tx), Pneumonitis, Anämie bis hin zur aplastischen Anämie, Panzytopenie

WW:

verstärkte Haut- und GI-Tox bei vorangegangener RTx (< 2 Jahre!)

Cave:

nicht anwenden bei bestehenden Windpocken- oder Herpes-Zoster-Infektionen – Gefahr der schweren Generalisierung!
T↑ von Enfluran und Halothan (Hepato-Tox);
i. d. R. schwere Emesis/Nausea → maximale Prophylaxe;
Paravasate: kühlen, ☞ Kap. C1

H-Form:

Amp. 0,5 mg/3 ml (1)

Daunorubicin (DNR, Daunomycin) (Daunoblastin®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1)

Ind.:

ALL, AML

Wirk.:

☞ Doxorubicin

Elim.:

Metabolisierung hepatisch über CYP 3A4, Ausscheidung hauptsächlich biliär (35 %) und renal (7 %)

Dos.:

ED: 20–80 (120) mg/m² i. v. Bolus in die laufende Inf. (5–10’);
MD (kumulativ) 550 mg/m², bei kardialer Vorschädigung o. Bestrahlung des Mediastinums: 400 mg/m²; Kinder > 2 J: 300 mg/m², < 2 J: 100 mg/m²;
D-Red. bei Bili 1,2–3 mg/dl: 50 %, 3,1–5 mg/dl: 75 %; bei Krea > 3 mg/dl: 50 %

wNW:

☞ Doxorubicin; Tubulusschädigung der Nieren durch rasche Zerstörung leukämischer Zellen (cave: Tumorlyse-Syndrom), geringere Kardio-Tox als Doxorubicin

WW:

kumulative Tox mit anderen Anthrazyklinen/Anthrachinonen;
keine Mischung mit Heparin; CYP3A4-Inhibition

Cave:

Überwachung wg. kardialer Tox (Echokardiografie)

H-Form:

L-Fl. 20 mg (1/10)

Daunorubicin liposomal (DaunoXome®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1)

Ind.:

Kaposi-Sarkom mit ausgeprägtem mukokutanem o. viszeralem Befall

Wirk.:

in Liposomen eingeschlossen, langsame Freisetzung, dadurch lange HWZ und geringere Tox

Elim.:

☞ Daunorubicin

Dos.:

ED: 40 mg/m²/d Inf. (30–60’)

wNW:

☞ Doxorubicin, aber deutlich geringer

WW:

kumulative Tox mit anderen Anthrazyklinen/Anthrachinonen

Cave:

keine simultane parenterale Lipid-Ernährung;
Überwachung wg. kardialer Tox (Echokardiografie)

H-Form:

L-Fl. 50 mg (1)

Decitabin (Dacogen®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

Pat. > 65 Jahre mit einer AML, für die eine Standard-Induktions-Tx nicht infrage kommt

Wirk.:

Nukleosid-Analogon, DNS-Methyltransferase-Inhibitor u. direkte zytotoxische Wirkung

Elim.:

CYP-unabhängige Metabolisierung, renale Ausscheidung (90 %)

Dos.:

20 mg/m²/d Inf (60’) Tag 1–5 q4w (mind. 4 Zyklen)

wNW:

KM, febrile Neutropenie, ANE-Syndrom

H-Form:

Dst-Fl. 50 mg

Docetaxel (Taxotere® und viele Generika)

Appl.:

Infusion

Ind.:

  1. Mamma-Ka.: adjuvante Tx (TAC; AC → D)
  2. fortgeschr. Mamma-Ka. (Mono- und Kombinations-Tx ± moAK)
  3. NSCLC (1st- u. 2nd-line)
  4. kastrationsresistentes Prostata-Ka. (in Komb. mit Predniso(lo)n)
  5. Magen-Ka.: 1st-line-Tx in Kombination mit Cisplatin + 5-FU
  6. lokal fortgeschr. Kopf-Hals-Ka. (PEC): Induktions-Tx in Kombination mit Cisplatin + 5-FU

Wirk.:

Mikrotubuli-Inhibitor, Mitosehemmung

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, überwiegend biliäre Ausscheidung

Dos.:

ED: 60–100 mg/m² Inf. (60’);
Taxane stets nach einem Anthrazyklin geben;
D-Red.: KM-Insuffizienz, Leberfunktionsstörungen (KI bei Bilirubin > ULN, ALT/AST > 3 x ULN oder AP > 6 x ULN), schwere Neuropathie

Prämed.:

Kortikosteroide (z. B. Dexamethason 2 x 8 mg, Tag –1 bis Tag 2);
bei Prednison-Gabe (Prostata-Ka.): 8 mg Dexamethason 12, 3 u. 1 h vor Tx

wNW:

KM, Mukositis, ANE-Syndrom, Neuro-Tox, Diarrhö, Alopezie, Hypersensitivitätsreaktionen, Ödembildung durch ↑Kapillarpermeabilität – bes. bei kumulativen Dosen > 400 mg/m², Fuß- und Fingernageldystrophie (schmerzhaft)

Cave:

Docetaxel darf nicht angewendet werden bei Pat. mit Überempfindlichkeit gegen Polysorbat 80; bei Kombination mit Trastuzumab (Herceptin) mit oder ohne Pertuzumab, insbesondere nach vorheriger Anthrazyklin-Tx: engmaschige Überwachung der Herzfunktion (Echokardiografie)

H-Form:

Dst-Fl. 20 mg (1), 80 mg (1), 140 (1), 160 mg (1)

Doxorubicin (Adriamycin) (viele Generika)

Appl.:

streng i. v. (Paravasat ☞ Kap. C1), intravesikal

Ind.:

solide Tumoren, maligne Lymphome, Leukämien

Wirk.:

Interkalation in die Doppelhelix, mRNS-Synthese-Hemmung, Topoisomerase-II-Hemmung; zyklusspezifisch

Resistenz:

MDR-Genamplifikation, Steigerung der Glutathionperoxidase-Aktivität, Verminderung der Topoisomerase-II-Aktivität

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, überwiegend biliäre Ausscheidung

Dos.:

ED: Mono-Tx: 50–80 mg/m² Inf. (60’) q3w oder 20 mg/m² q1w;
intravesikale Rezidivprophylaxe beim oberflächl. Harnblasen-Ka.: 50 mg (25–50 ml) in NaCl 0,9 %;
MD (kumulativ) 450–550 mg/m² (400 mg/m² bei Kindern); Kumulation mit anderen Anthrazyklinen/Anthrachinonen (Mitoxantron) beachten;
D-Red. bei Bili↑ 1,2–3 mg/dl: 50 %, 3,1–5 mg/dl: 75 %, > 5 mg/dl: Kl

KI:

bei schwerer kardialer Vorschädigung

wNW:

KM, Herzmuskel (akut + chronisch + Spät-Tox), ANE-Syndrom, Alopezie; Kardio-Tox↑ unter mediastinaler RTx (MD auf 400 mg/m² begrenzen), Kardio-Tox „peak-abhängig“: protrahierte Gabe (Langzeitinfusion, wiederholte wö. Appl.) scheint einen pos. Einfluss zu haben; Reduktion der Kardio-Tox durch Dexrazoxan und Amifostin beschrieben

WW:

keine Mischung mit Heparin (chemische Inkompatibilität);
T↑ mit Ciclosporin (neurolog. Störungen bis zum Koma); Kombination mit Trastuzumab nur unter Überwachung der Herzfunktion

Cave:

Überwachung der kardialen Funktion durch LVEF-Messung (Echo; EKG unzureichend), Recall-Phänomen bei Vorbestrahlung

H-Form:

L-Fl. 10 mg (1), 20 mg (1), 50 mg (1/5), 100 mg (1), 150 mg (1/5), 200 mg (1)

Doxorubicin PEG-liposomal (Caelyx®)

Appl.:

i. v.; Infusion primär < 1 mg/min, bei ausbleibenden NW: in 60’

Ind.:

Mamma-Ka., fortgeschr. Ovarial-Ka., progredientes multiples Myelom, AIDS-assoziiertes Kaposi-Sarkom

Wirk.:

pegyliert, liposomal verkapselt, langsame Freisetzung, dadurch lange HWZ u. geringere Tox

Elim.:

biliär (90 %), renal (5–10 %)

Dos.:

Mamma-Ka.: als Mono-Tx bei kardialem Risiko: 50 mg/m² q4w;
Ovarial-Ka.: 50 mg/m² q4w;
multiples Myelom: 30 mg/m² in Kombination mit Bortezomib;
Kaposi-Sarkom: 20 mg/m² q2–3w

wNW:

Hand-Fuß-Syndrom, Stomatitis, ANE-Syndrom, Asthenie, KM, Hautausschlag, Alopezie (sehr selten), Akutreaktionen während der Infusion

WW:

☞ Doxorubicin

Cave:

klinisch signifikante Kardio-Tox äußerst selten, trotzdem Überwachung der kardialen Funktionen (☞ Doxorubicin), insb. bei Überschreitung einer Gesamt-Anthrazyklindosis von 450 mg/m² (danach: Messung der LVEF vor jedem Zyklus)

H-Form:

L-Fl. 20 mg/10 ml (1), 50 mg/25 ml (1)

Doxorubicin liposomal (Myocet®)

Appl.:

streng i. v. als 1-h-Inf., Endkonzentration 0,4–1,2 mg/ml Doxorubicin-HCl

Ind.:

met. Mamma-Ka. (1st-line in Kombination mit Cyclophosphamid)

Wirk.:

☞ Doxorubicin

Dos.:

60–75 mg/m² Inf. (60’) q3w

wNW:

Myelosuppression, Übelkeit, Erbrechen, Mundulzera, Halsschmerzen, Müdigkeit, Durchfall, Haarausfall

WW:

☞ Doxorubicin

Cave:

keine Bolusinjektion, keine Verwendung von Inline-Filtern, Überwachung der Herzfunktion mittels Messung der LVEF ab einer kumulativen Anthrazyklin-Dosis von 550 mg/m²

H-Form:

2 Sets mit jeweils 50 mg Pulver und Beimischungen für ein Konzentrat zur Herstellung einer liposomalen Infusionsdispersion

Epirubicin (Farmorubicin® und viele Generika)

Appl.:

i. v. (Paravasat ☞ Kap. C1), intravesikal

Ind.:

Mamma-, Ovarial-, Magen-Ka., SCLC, Weichteilsarkome, oberflächliches Harnblasen-Ka. (intravesikal)

Wirk.:

☞ Doxorubicin

Elim.:

Glukuronidierung; Ausscheidung biliär, renal

Dos.:

ED: ND: 75–90 mg/m² q3w o. wö. 20–30 mg/m²; HD: 120 mg/m², Gabe als i. v. Inj. in die laufende Infusion (10–15’);
MD: (kumulativ) 900–1 000 mg/m², Reduktion der Kardio-Tox durch wö. Gabe oder Langzeitinfusion nicht geklärt;
D-Red. bei Bili 1,2–3 mg/dl: 50 %, > 3 mg/dl: 75 %; bei Krea > 5 mg/dl: 25 %; bei schwerer kardialer Vorschädigung

wNW:

☞ Doxorubicin, Kardio-Tox↑ unter RTx (MD 650 mg/m²)

WW:

☞ Doxorubicin; keine Mischung mit Heparin (chemische Inkompatibilität), kumulative Tox der Anthrazykline/Anthrachinone beachten

Cave:

Überwachung der kardialen Tox (Echokardiografie)

H-Form:

L-Fl. 10 mg (1/6/12), 20 mg (1/6/12), 50 mg (1/6/12), 100 mg (1/6/12), 200 mg (1/6/12)

Eribulin (Halaven®)

Appl.:

i.v. (2–5’)

Ind.:

fortgeschrittenes oder metastasiertes Mamma-Ka. mit Progress nach mindestens einer Chemotherapie (nach Vor-Tx mit Anthrazyklinen und Taxanen)

Wirk.:

Mikrotubulin-Inhibitor

Elim.:

hepat. Metabolisierung über CYP3A4, biliäre Ausscheidung

Dos.:

1,23 mg/m² i. v. (2–5’) Tag 1+8 q3w

D-Red.:

Leberschädigung: Child-Pugh A um 20 % und B um 50 %

Cave:

Bradyarrhythmie, QT-Verlängerung

WW:

Inhibitoren von Transportproteinen und CYP3A4-Inhibitoren; ☞ Fachinfo

KI:

angeborene QT-Verlängerung

wNW:

KM-Tox, ANE-Syndrom, Alopezie, periphere Neuropathie

H-Form:

Amp. 0,88 mg (1/6)

Estramustinphosphat (Estracyt® und Generika)

Appl.:

i. v., p. o. (Bioverfügbarkeit 37–75 %; Einnahme 1 h vor oder 2 h nach dem Essen)

Ind.:

fortgeschr. hormonrefraktäres Prostata-Ka.

Wirk.:

Depolymerisation von Mikrotubuli (zyklusspezifisch M/G1-Phase); Östrogenwirkung: Hypophysenblockade

Elim.:

Abbau zu Estramustin/Estromustin, biliäre u. geringe renale Ausscheidung

Dos.:

ED: p. o. Initial-Tx 3 x 280 mg/d x 28, bei Ansprechen Red. auf 2 x 280 mg/d als Dauer-Tx; alternativ: i. v. 300–450 mg/d x 10, dann p. o. weiter (w. o.);
D-Red. bei Leberparenchymschaden und hohem Thromboserisiko

wNW:

lokale Thrombophlebitis, GI-Störungen, KM, ANE-Syndrom, Leber, Thrombose, Gynäkomastie (→ prophylakt. RTx der Mamillen vor Tx-Beginn!)

WW:

W↓ bei Einnahme von Ca-, Mg-, Al-haltigen Substanzen oder Nahrung (Antazida, Milch, Milchprodukte, Mineralwasser mit > 200 mg/l Ca2+);
T↑ durch trizyklische Antidepressiva

KI:

Pat. mit aktiven oder anamnest. thrombembolischen Komplikationen

Cave:

ausschl. in Glucose 5 % verwenden

H-Form:

Kps. 140 mg (30/50/100), 280 mg (30/50/100);
L-Fl. 150 mg (10), 300 mg (10)

Etoposid (VP 16) (Vepesid®K Kapseln; Etoposid i. v.: viele Generika)

Appl.:

i. v. (i. a.), p. o. (Resorption 30–50 %);
Konzentration in der Inf.-Lsg.: 0,2–0,4 mg/ml

Ind.:

NSCLC, SCLC, maligne Lymphome, AML, Hoden-, Chorion-Ka.

Wirk.:

Topoisomerase-II-Hemmer

Elim.:

hepatische Metabolisierung; renale Ausscheidung 30 %

Dos.:

ED: i. v. 100–300 mg/m² Inf. (30–120’) Tag 1–3; HD: bis 1500 mg/m² pro Zyklus;
Dauer-Tx mit 50(–100) mg/m²/d p. o.;
D-Red.: KM-Insuffizienz, schwere Leberfunktionsstörung (Ikterus); Niereninsuffizienz: bei Krea-Clearance < 50 ml/min: 25 %, keine Daten bei Krea-Cl. < 15 ml/min

wNW:

KM, Alopezie, seltener Neuropathie, Mukositis, ANE-Syndrom, Leberfunktionsstörungen, Überempfindlichkeitsreaktionen

WW:

Gabe vor Cisplatin, aber nach Paclitaxel;
↑ Neuro-Tox bei Vorbehandlung mit Vinca-Alkaloiden;
T↑ durch Kalziumantagonisten, Retrovir und Ciclosporin A sowie bei niedrigem Serumalbumin

Cave:

enthält Ethanol!
selten allergische Reaktion oder lokale Reizung unter Infusion;
↑Sekundärmalignom-Risiko (dosisabhängig)!

H-Form:

L-Fl. 100 mg (10), 200 mg (5/10), 400 mg (10), 500 mg (1/10), 1 000 mg (1); Kps. 50 mg (20/50), 100 mg (10)

Etoposidphosphat (Etopophos®)

Rasche Hydrolyse zum aktiven Metaboliten Etoposid (30–60’)

Appl.:

i. v. (Kurzinfusion); Konzentration in der Inf.-Lsg. 0,1–10 mg/ml

Ind.:

☞ Etoposid

Elim.:

☞ Etoposid

Cave:

selten allergische Reaktion oder lokale Reizung unter Infusion;
↑Sekundärmalignom-Risiko (dosisabhängig)!

H-Form:

L-Fl. 113,6 mg (= 100 mg Etoposid) (10)

Fludarabin (Fludara® und viele Generika)

Rasche Dephosphorylierung u. intrazell. Rephosphorylierung zur aktiven Substanz

Appl.:

i. v.

Ind.:

CLL (1st-line-Tx bei Binet C bzw. Binet A/B mit Progression und Symptomen), indolente B- und T-Zell-Lymphome

Wirk.:

Hemmung der Ribonukleotid-Reduktase und der DNS-Polymerase

Elim.:

renal (40–60 %)

Dos.:

ED: 25 mg/m² Inf. (30’) Tag 1–5 (6 Zyklen);
D-Red. bei Krea-Clearance < 70 ml/min

KI:

Krea-Clearance < 30 ml/min, dekompensierte hämolytische Anämie

wNW:

KM, ZNS, leichte Emesis/Nausea, Immunsuppression (CD4+/CD8+ Zell-Depletion), Neuro- und GIT-Tox sind selten

WW:

erhöht den intrazellulären Cytarabin-Spiegel; T↑ von Pentostatin;
W↓ durch Dipyridamol u. a. Inhibitoren der Adenosin-Aufnahme

H-Form:

Tr-Fl. 50 mg (1/5)

Fluorouracil (5-FU) (viele Generika)

Appl.:

i. v., i. a., intraperitoneal (Aszites)

Ind.:

fortgeschr. Kolorektal-, Mamma-, Magen-, Pankreas-Ka.

Wirk.:

  1. Hemmung der Thymidilat-Synthetase (TS)
  2. Einbau in DNS (FdUTP) und RNS (FUTP)

Resistenz:

u. a. Amplifikation des spezifischen Gens

Elim.:

Katabolisierung; Ausscheidung renal (15 % innerhalb von 6 h)

Dos.:

ED Mono-Tx (D-Red. bei Kombinationen):
400–500 mg push i. v. Tag 1–5
600–1 000 mg/m² push i. v. q1w
2200–2600 mg/m² Inf. (24 h) q1w
3500–4 000 mg/m² Inf. (48 h) q2w
250–300 mg/m²/d als Dauerinfusion;
intraarterielle CTx (Leber): 600–2 000 mg/m² Inf. (24 h);
D-Red. bei schlechtem AZ, Leber- und Nierenfunktionsstörung

wNW:

akut: psychotische Reaktionen, Somnolenz, Alkohol-Tox↑;
chronisch: KM, Mukositis mit Diarrhö (T↑ bei Bolusgabe), Alopezie, Photodermatitis, Herz (selten Koronarspasmus mit Angina pectoris, Fortsetzung der Tx nur mit Kalziumantagonisten, cave: Myokardinfarkt!), bei Langzeitinfusion vermehrt Hand-Fuß-Syndrom (→ D-Red. und Vit. B6 100 mg/d p. o., Lanolin-Salbe)

WW:

W↑ durch Folinsäure, Methotrexat, IFNα;
T↓ + W↓ durch Allopurinol

KI:

gleichzeitige Tx mit Sorivudin o. Brivudin (Zostex®)

Cave:

letale NW bei DPD-Defizienz (Gentest auf Exon-14-Skipping möglich, negativer Test schließt eine DPD-Defizienz aber nicht aus!);
keine Impfungen mit Lebendviren unter Tx

H-Form:

L-Fl. 250 mg (1/10), 500 mg (1/10), 1 000 mg (1/5/10), 5 000 mg (1/5/10), 10 000 mg (1/5)

Gemcitabin (Gemzar® und viele Generika)

Appl.:

i. v. Kurzinfusion (30’)

Ind.:

lokal fortgeschr. oder met. NSCLC, Blasen-, Pankreas-, Mamma-, Ovarial-Ka.

Wirk.:

Hemmung der DNS-Synthese: 1) hemmt Bildung von dCTP; 2) Einbau als falsches Nukleotid in die DNS, Kettenabbruch und Inaktivierung von DNS-Reparaturmechanismen; phasenspezifisch, vorwiegend S-, teilweise G1/S-Phase

Elim.:

Metabolisierung durch die Cytidin-Deaminase, daher wenig Interaktionen; renale Ausscheidung des zytostatisch inaktiven Metaboliten

Dos.:

ED 1 000–1250 mg/m² Inf. (30’) je nach Kombinationspartner;
D-Red. in Abhängigkeit von den auftretenden NW;
Vorsicht bei eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion

wNW:

KM-Tox, influenzaartiges Bild, Ödeme, Übelkeit und mildes Erbrechen, Hautausschlag, Transaminasen-Anstieg, Proteinurie und Hämaturie (selten von klin. Bedeutung), selten hämolytisch-urämisches Syndrom, Alopezie (Grad I–II), Asthenie, Dyspnoe wenige Stunden nach Gabe möglich (am häufigsten bei Pat. mit NSCLC; transient, meist nicht behandlungsbedürftig)

WW:

T↑ bei simultaner RTx der Lunge (Kombination wird nicht empfohlen!); häufig synergistische Wirkung mit anderen Zytostatika (v. a. Cisplatin)

Cave:

T↑ bei verlängerter Infusionsdauer (> 60’)!

H-Form:

Dst-Fl. 200 mg (1), 500 mg (1), 1 000 mg (1), 2 000 mg (1)

Hydroxycarbamid (Hydroxyurea) (Litalir®, Syrea®, Hydroxycarbamid Ribosepharm)

Appl.:

p. o., gute Resorption (fast 100 %)

Ind.:

CML, essenzielle Thrombozythämie, Polycythaemia vera

Wirk.:

Inhibierung der Nukleotid-Reduktase

Elim.:

50 % hepat. Metabolisierung, renale Ausscheidung (50 %)

Dos.:

ED: CML: Initial-Tx 40 mg/kg KG/d; D-Red. (20 mg/kg KG) im Steady state;
P. vera: Initial-Tx 15–20 mg/kg KG;
D-Red. bei Krea-Clearance 10–50 ml/min: 50 %, < 10 ml/min: 75 %

wNW:

KM, selten ANE-Syndrom, Mukositis, Neuro-Tox, Allergien, Haut-Tox (Pigmentierung, Haut- und Nagelatrophie), Fieber

WW:

RTx-Erythem↑ und KM-Tox↑;
Reaktionsfähigkeit↓ bei Gabe von Psychopharmaka;
T↑ bei simultaner Gabe von 5-FU und Cytarabin

H-Form:

Kps. 500 mg (50/100)

Idarubicin (Zavedos®, Idarubicin Hexal)

Appl.:

i. v. (Nekrose bei Paravasat, ☞ Kap. C1), p. o.

Ind.:

Remissionsinduktion und Konsolidierung bei AML

Wirk.:

☞ Doxorubicin; durch Veränderung der Grundstruktur gegenüber Doxorubicin höhere Lipophilie mit gesteigerter zellulärer Aufnahme, unabhängig von MDR-Gen-Aktivierung

Elim.:

biliär (60–70 %), renal (5–15 %)

Dos.:

ED: i. v. 12 mg/m² Tag 1–3 o. 8 mg/m² Tag 1–5, als Bolus (5–10’) in eine laufende Infusion; p. o. 35–50 mg/m²/d x 3;
MD: 120 mg/m² (Kumulation mit anderen Anthrazyklinen/Anthrachinonen!)

KI:

bei nicht tumorbedingtem Bilirubin > 2 mg/dl; bei vorbestehender kardialer Schädigung (Grad IV); Vorsicht bei Alter > 65 J!

wNW:

☞ Doxorubicin

WW:

☞ Dauno-/Doxorubicin

H-Form:

Kps. 5 mg (1/3), 10 mg (1/3), 25 mg (1/3);
Dst-Fl. 10 mg (1), 20 mg (1); Tr-Fl. 5 mg (1)

Ifosfamid (Holoxan®, IFO-cell®)

Appl.:

i. v., Lang- und Kurzinfusion (Lösung < 4 % IFO)

Ind.:

Bronchial-, Ovarial-, Hoden-, Mamma-, Pankreas- und Zervix-Ka., Ewing-, Weichteilsarkome, maligne Lymphome

Wirk.:

☞ Cyclophosphamid

Elim.:

hepat. Metabolisierung über CYP3A4, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 1,2–2,4 g/m²/d Inf. (30–120’, je nach Volumen) an 3–5 d;
5–8 g/m² als kont. Inf. (24 h);
D-Red. bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen

wNW:

☞ Cyclophosphamid;
Enzephalopathie bei hoher Dosierung, dann Komedikation mit ZNS-Wirkung (Antiemetika, Narkotika etc.) möglichst absetzen;
Zystitisprophylaxe mit Mesna, ☞ Kap. D3.1

WW:

W↑ Antikoagulantien (Cumarin) und Sulfonylharnstoffe (Hypoglykämie);
T↑ Bestrahlungsreaktion der Haut;
T↑ Niere, KM und ZNS bei gleichzeitiger Gabe von Cisplatin;
Antagonismus bei Gabe vor Taxanen; Synergismus mit Cisplatin, 5-FU

Cave:

Hydratation (> 2 l/d) während Tx

H-Form:

Tr-Fl. 500 mg (1), 1 g (1/6), 2 g (1), 3 g (1); L-Fl. 1 g (1), 2 g (1); Inf.-Konz. 2 g (1), 5 g (1)

Irinotecan (Campto® und viele Generika)

Appl.:

Inf. (60–90’), Inf.-Lösung: 0,12 mg/ml

Ind.:

kolorektale Ka. in Kombination mit FA/5-FU ± Bevacizumab und Mono-Tx nach Versagen einer 5-FU-haltigen Tx; in Komb. mit Cetuximab nach Versagen einer Irinotecan-haltigen Tx bei Tumoren mit RAS-Wildtyp

Wirk.:

Hemmung der Topoisomerase I; Prodrug, wird in vielen Geweben (überwiegend in der Leber) aktiviert

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, vorwiegend biliäre Ausscheidung

Dos.:

ED: Mono-Tx: 100–150 mg/m² wö. x 4 q6w; (250–)350 mg/m² Inf. (30–90’) q3w;
Kombinations-Tx: AIO-Schema: 80 mg/m² (q1w); Lv5FU2- oder FOLFIRI-Schema: 180 mg/m² (q2w);
bei Kombinations-Tx Irinotecan vor FA/5-FU;
D-Red. bei GI u. hämatolog. NW und Leberfunktionsstörungen (Bili > 1,5–3 x ULN), ☞ Fachinfo

KI:

Bilirubin > 3 x ULN; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

wNW:

akut: cholinerges Syndrom (dosisabhängig bei > 300 mg/m²) → Vorbehandlung mit Atropin;
verzögert: Diarrhö WHO-Grad 3/4 bei 25 %, ANE-Syndrom, Alopezie, Transaminasen- und Kreatinin-Anstieg, KM (Neutropenie)

Cave:

bei Auftreten von Durchfall ☞ Kap. C2.2

H-Form:

L-Fl. 40 mg (1), 100 mg (1), 300 mg (1), 500 mg (1)

Irinotecan-liposomal, pegyliert Onivyde® 5 mg/ml Konzentrat

Appl.:

Konz. zur Herstellung einer Infusionslösung; Onivyde® ist eine liposomale Formulierung von Irinotecan mit anderen pharmakokinetischen Eigenschaften als nichtliposomales Irinotecan; Dosiskonzentration und -stärke unterscheiden sich von nichtliposomalem Irinotecan

Ind.:

met. Pankreas-Ka. in Komb. mit 5-Fluorouracil (5-FU) und Folinsäure bei PD unter einer Gemcitabin-Tx

Wirk.:

☞ Irinotecan

Dos.:

ED: 80 mg/m² als 90'-Inf. gefolgt von Folinsäure 400 m² und 5-FU 2400 m² i.v. über 48 h alle 3 Wo.
D-Red. und Dosisanpassung ☞ Fachinfo

KI:

☞ Irinotecan

wNW:

☞ Irinotecan

Cave:

☞ bei Auftreten von Durchfall ☞ Kap. C2.2

H-Form:

Konz.-Dst-Fl. 10 ml (= 50 mg)

Lomustin (CCNU) (Cecenu®)

Appl.:

p. o.; nüchtern mit viel Wasser einnehmen

Ind.:

M. Hodgkin, primäre u. sekundäre ZNS-Tumoren, malignes Melanom, Bronchial-Ka.

Besond.:

Lomustin ist liquorgängig

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, überwiegend renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 80–130 mg/m² q6w;
D-Red. bei KM-Insuffizienz

wNW:

KM (verzögert nach 2–4 Wo.), Emesis (nach ca. 6–8 h), Lunge (Fibrose), selten Leber, Niere, Alopezie

KI:

schwere Nierenfunktionseinschränkung, Zöliakie

H-Form:

Kps. 40 mg (20)

Melphalan (Alkeran®)

Appl.:

i. v., p. o. (Resorption/Bioverfügbarkeit bei oraler Tx sehr unterschiedlich (25–90 %), nimmt im Laufe der Behandlung zu (zeitlich begrenzte gesteigerte Resorption), wird verringert bei Einnahme während/nach dem Essen → Einnahme 1/2 h vor den Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit)

Ind.:

multiples Myelom, fortgeschr. Ovarial-Ka. nach Versagen einer Standard-Tx

Wirk.:

alkylierend

Elim.:

spontane Hydrolyse, renale Ausscheidung

Dos.:

p. o.: 0,25 mg/kg KG Tag 1–4 q4w;
i. v.: 7–15 mg/m² Tag 1 q4–6w;
HD-Tx (SZT): 140–200 mg/m² i. v. Bolus in laufende Inf. oder als Inf.;
D-Red. bei Nierenfunktionseinschränkung: 50 % bei Krea-Clearance 30–50 ml/min (insb. bei i. v. Gabe)

wNW:

KM-Depression (verzögert nach 2–4 Wo.), GI-Tox, Amenorrhö, sekundäre akute Leukämien;
HD-Tx: Stomatitis, venookklusive Erkrankung u. v. a.; ☞ Fachinfo

WW:

Cimetidin verringert die Bioverfügbarkeit von Melphalan p. o. um 30 % und die Plasma-HWZ um 20 %;
bei hoch dosierter i. v. Gabe und Nalidixinsäure: vz. hämorrhagische Enterokolitiden, bei Kindern mit Todesfolge;
T↑ durch Ciclosporin, Misonidazol

Cave:

häufige Kontrolle von BB und Harnstoff bei eingeschr. Nierenfunktion

H-Form:

Tbl. 2 mg (25/50); L-Fl. 50 mg (1)

Mercaptopurin (6-MP) (Puri-Nethol®)

Appl.:

p. o.; Einnahme mit reichlich Flüssigkeit (GI-Resorption individuell unterschiedlich, Bioverfügbarkeit 5–37 %)

Ind.:

ALL

Wirkung

Antimetabolit, Purinsynthese-Hemmung; zyklusspezifisch

Elim.:

hepat. Metabolisierung (CYP2C9), renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 2,5 mg/kg KG/d o. 50–75 mg/m²/d;
D-Red. bei Leber- u. Nierenfunktionsstörungen

wNW:

KM-Depression; selten ANE-Syndrom, Pankreatitis (bei entzündlichen Darmerkrankungen), Leber-Tox u. Cholestase

WW:

T↑ unter Allopurinol: D-Red. auf 25 %;
T↑ unter ASS-Derivaten, z. B. Sulfasalazin

Cave:

tägl. BB-Kontrolle in der Induktionsphase und wö. Kontrolle der Leberfunktion

H-Form:

Tbl. 50 mg (25)

Methotrexat (MTX) (viele Generika)

Appl.:

i. v., i. m., s. c., i.th., p. o. (50 % Bioverfügbarkeit)

Ind.:

ALL, maligne Lymphome, maligne Trophoblast-, Mamma-, Zervix-, Ovarial-, Kopf-Hals-Ka., SCLC, Osteosarkom, Meningeosis leukaemica

Wirk.:

Folsäure-Antagonist (zyklusspezifisch, S-Phase)

Elim.:

renale Ausscheidung (70 %), geringe Metabolisierung (7 %)

Dos.:

ED: 40–60 mg/m² i. v. Bolus; HD-Tx bis 12 g/m² Inf. (3–12 h je nach Protokoll);
intrathekal: 8–12 mg/m² 1–2 x wö., max. ED 15 mg;
MD: 20 g als ED, keine kumulative MD bekannt;
D-Red. bei Nierenfunktionsstörung

KI:

bei HD-MTX: Kl bei GFR < 60 ml/min

Besond.:

bei HD-Tx Urinausscheidung > 200 ml/h u. Urin-pH > 7,4 halten; Dosis > 500 mg/m² nur mit Serumspiegelbestimmung zur Adaptierung der Rescue und Urin-Alkalisierung;
Folinsäure-Rescue bei MTX-Dosis > 100 mg/m²: 12–24 h nach Beginn der MTX-Gabe: FA 15–30 mg p. o./i. v. alle 6 h (x 8–12) bis zur Normalisierung des MTX-Spiegels (< 0,1 µmol/l); bei verzögerter Ausscheidung: Steigerung der FA-Dosis auf 100 mg/m² i. v., ggf. Carboxypeptidase G2, ☞ Kap. D3.9

wNW:

KM, Mukositis, Diarrhö, Leber, Niere, ZNS, selten Hand-Fuß-Syndrom; ZNS-Tox bei intrathekaler Anwendung (Meningismus, selten periphere Lähmungen); bei Liquorzirkulationsstörung schwere Hirnveränderungen

WW:

T + W↑ (Nephro-Tox) durch Cisplatin;
konkurrierende Nierenausscheidung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (ASS, Naproxen, Ketoprofen);
Gefahr von Leberzirrhose durch gleichzeitige Alkoholzufuhr;
Risiko einer Leukenzephalopathie bei (auch späterer) RTx des ZNS

KI:

HD-MTX: bei GFR < 60 ml/min

Cave:

Bei Aszites o. Pleuraerguss verbleibt MTX im 3. Raum und wird verzögert rückresorbiert, dadurch HWZ↑ und unkontrollierbare T↑! Keine Tx ohne vorherige Entlastungspunktion!

Überdos.:

Tx: Carboxypeptidase G2 (Glucarpidase) spaltet MTX enzymatisch (auch intrathekal) ☞ Kap. D3.9

H-Form:

Tbl. 2,5 mg (30/100), 10 mg (10/20/50/100); L-Fl. 5 mg (1/10), 15 mg (1/10), 25 mg (1/10), 50 mg (1/10), 250 mg (1), 500 mg (1), 1 000 mg (1); Infusions-Fl. 5 000 mg (1)

Mitomycin (MMC) (Mito-medac® und Generika)

Appl.:

streng i. v., i. a. (Nekrosen bei Paravasat; ☞ Kap. C1), topisch (Harnblase)

Ind.:

Anal-Ka. u. a. solide Tumoren; bei Blasen-Ka. intravesikal

Wirk.:

wirkt wie ein Alkylans, DNS-Crosslinks

Elim.:

hepatische Metabolisierung, überwiegend biliäre Ausscheidung

Dos.:

ED: i. v.: 10–20 mg/m² als Bolus (q6–8w); intravesikal: 20–40 mg;
MD ca. 100 mg (3–5 Zyklen);
D-Red. bei Nierenfunktionsstörung;
zur Vermeidung von Mikroangiopathie, hämolytisch-uräm. Syndrom u. Pneumonitis: prophylaktische Gabe von 250 mg Prednison prä-Tx

wNW:

KM (verzögert nach 2–4 Wo.), selten ANE-Syndrom (auch verzögert über viele Tage anhaltend), Leber, Lunge und Niere, Allergien, Alopezie; sehr selten Pneumonitis (ARDS)

WW:

Inaktivierung durch gleichzeitige Gabe von Vitamin B6;
↑Risiko eines Bronchospasmus bei gleichzeitiger oder auch späterer Gabe von Vinca-Alkaloiden; Synergismus mit Cisplatin

Cave:

T↑ (Lunge) mit Vinca-Alkaloiden und Bleomycin;
T↑ (Herz) mit Anthrazyklinen

H-Form:

Tr-Fl. 2 mg (10), 10 mg (1/5), 15 mg (1/5), 20 mg (1/5), 40 mg (1/5/6)

Mitoxantron (Novantron® und Generika)

Appl.:

i. v., intrapleural, intraperitoneal

Ind.:

Mamma-, Prostata-Ka., NHL, ALL, AML, CML-Blastenschub

Wirk.:

☞ Doxorubicin

Elim.:

hepat. Metabolisierung (CYP3A4), biliäre Ausscheidung

Dos.:

ED: 12–14 mg/m² als Kurzinf. (15–30’) in 250 ml NaCl;
Peritonealraum: 25(–35) mg/m² in NaCl (ca. 10 mg/500 ml);
MD: 200 mg/m² (kumulative Dosis);
D-Red. bei Leberfunktionsstörung (ähnlich wie Doxorubicin)

wNW:

KM, Herz (Kumulation mit Anthrazyklinen)

WW:

keine Mischung mit Heparin (Ausfällung); Thrombozytenaggregationshemmung (ähnlich wie ASS)

Besond.:

intrakavitäre Instillation (Pleura, Peritoneum) ☞ Kap. C2.4

H-Form:

L-Fl. 10 mg (1/3), 20 mg (1/3), 25 mg (1/3), 30 mg (1/3)

Nelarabin (Atriance®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

rez. T-Zell-ALL, rez. T-Zell-lymphoblastisches Lymphom als 3rd-line-Tx

Wirk.:

Nukleosid-Analogon, Prodrug von Guanin-Arabinosid (ARA-G)

Elim.:

renal

Dos.:

Erw.: 1500 mg/m² Inf. (60’), Tag 1, 3, 5 q3w;
Kinder: 650 mg/m²/d Inf. (60’), Tag 1–5 q3w

wNW:

neurologische Komplikationen, insb. nach RTx des Neurokraniums;
KM, Kopfschmerzen, Müdigkeit

WW:

Pentostatin

Cave:

engmaschige neurologische Überwachung erforderlich

H-Form:

L-Fl. 250 mg

Nimustin (ACNU) (ACNU® 50)

Appl.:

streng i. v. oder i. a.

Ind.:

maligne Gliome

Wirk.:

☞ Carmustin

Elim.:

Metabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: 90–100 mg/m²/d q6w;
D-Red. bei KM-Insuffizienz

wNW:

KM (verzögert, Nadir nach 2–5 Wo.), ANE-Syndrom, lokaler Schmerz

WW:

KM-Schädigung↑ bei Kombinations-Tx;
T↑ bei Komedikation mit Cimetidin

Cave:

Neuro-Tox, engmaschige Überwachung des Pat. erforderlich

H-Form:

Tr-Fl. 50 mg (1/10)

Oxaliplatin (Eloxatin® und viele Generika)

Appl.:

Inf., gelöst in Glucose 5 %

Ind.:

  1. Kolon-Ka. in Kombination mit FA/5-FU: adjuvant Tx im Stadium IIB–III; palliative Tx
  2. Magen-Ka.: im Zulassungsverfahren

Wirk.:

☞ Cisplatin

Elim.:

Metabolisierung, renale Ausscheidung (ca. 95 %)

Dos.:

ED: in Kombination mit 5-FU: 85 mg/m² Inf. (2–6 h), immer vor 5-FU

Cave:

Neuropathie ab 850–1 000 mg/m² kumulativ;
D-Red. bei anhaltenden Parästhesien ohne Funktionseinschränkung: 65–75 mg/m²; mit Funktionseinschränkung: Unterbrechung der Tx

wNW:

peripheres Nervensystem (Dysästhesien, Parästhesien), GI-Tox (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (4 % Grad 3 + 4))

WW:

inkompatibel mit NaCl- und basischen Lösungen → nicht mit 5-FU und chloridhaltigen Lösungsmitteln mischen

KI:

Krea-Clearance < 30 ml/h, bekannte Platin-Allergie

Cave:

periph. sensorische Neuropathie, akut einsetzende laryngopharyngeale Dysästhesie → bei Auftreten Verlängerung der Inf.-Zeit auf 6 h

H-Form:

Inf.-Konz. 50 mg (1), 100 mg (1), 200 mg (1); Tr-Fl. 50 mg (1), 100 mg (1), 150 mg (1)

Paclitaxel (viele Generika)

Appl.:

i. v.; Infusion mit Mikroporen-Filter und PVC-freiem Infusionsbesteck

Ind.:

adjuvante Tx beim nodalpos. Mamma-Ka. (AC→T);
1st- und 2nd-line-Tx bei Ovarial-Ka., Mamma-Ka. (einschl. Kombination mit Trastuzumab), NSCLC, Kaposi-Sarkom

Wirk.:

☞ Docetaxel

Elim.:

hepatisch metabolisiert über CYP2C8 und 3A4; Ausscheidung biliär und gering renal

Dos.:

ED: 175 mg/m² Inf. (3 h), 135 mg/m² Inf. (24 h) q3w; 80–100 mg/m² über 1 h q1w;
MD ca. 1 000 mg/m² wegen Neuro-Tox;
D-Red. bei KM-Insuffizienz und Leberfunktionsstörungen (50 % bei Bili > 3 mg/dl u/o GOT/GPT > 3 x ULN)

Prämed.:

Dexamethason 20 mg (p. o. 12 u. 6 h, i. v. 30–60 min vor CTx), Cimetidin 300 mg o. Ranitidin 50 mg u. Clemastin 2 mg i. v. (30–60’ vor CTx); darunter sinkt die Rate der Hypersensitivitätsreaktionen (HSR) auf 1–3 %

wNW:

KM, Alopezie, periph. Neuropathie (höher bei Kurzinf.), Myalgie, ANE-Syndrom, Obstipation, Kardio-Tox (Überleitungsstörungen); schwere HSR bis zu Anaphylaxie durch Paclitaxel selbst oder Lösungsvermittler (innerhalb von Minuten nach Tx-Beginn) → Prämedikation und Überwachung des Pat.

WW:

Paclitaxel in Kombination immer vor Cis-/Carboplatin u. Ifosfamid, aber nach Doxorubicin/Epirubicin (24 h!);
in Kombination Verstärkung der Kardio-Tox von Anthrazyklinen

Cave:

Besonderheit der Applikation beachten (s. o.);
Verstärkung der Wirkung der RTx

H-Form:

L-Fl. 30 mg (1/10), 100 mg (1/10), 150 mg (1/10), 300 mg (1/10), 600 mg (1)

Paclitaxel – albumingebunden (nab-Paclitaxel) (Abraxane®)

Appl.:

i. v., keine Filter < 15 µm verwenden
PVC-haltige Infusionsbestecke möglich

Ind.:

  1. Mono-Tx, 2nd-line des met. Mamma-Ka.
  2. in Komb. mit Gemcitabin 1st-line bei met. Pankreas-(Adeno-)Ka.
  3. in Komb. mit Carboplatin 1st-line beim NSCLC (wenn potenziell kurative Op u/o RTx nicht mö̈glich)

Wirk.:

☞ Docetaxel; an Albumin-Nanopartikel gebundenes Paclitaxel ohne Lösungsvermittler

Elim.:

hepat. Metabolisierung über CYP2C8 und 3A4, biliäre Ausscheidung

Dos.:

Mono-Tx: 260 mg/m² Inf. (30’) q3w;
Kombinations-Tx: 100–125 mg/m² Tag 1, 8, 15 q3–4w
D-Red. bei schweren NW/Leberinsuffizienz; ☞ Fachinfo

KI:

Ausgangs-Neutrophilenzahl < 1,5 x 109/l, schwere Leberfunktionsstörungen

wNW:

☞ Paclitaxel, jedoch keine Prämedikation gegen HSR notwendig

WW:

CYP3A4/2C9-Inhibitoren oder -Induktoren, ☞ Paclitaxel

H-Form:

Lyophilisat 100 mg

Peg-Asparaginase (Oncaspar®)

Appl.:

i.m. (bei i.v. Gabe: > NW)

Ind.:

bei Überempfindlichkeitsreaktion gegen E.-coli-Asparaginase

Wirk.:

☞ Asparaginase

Dos.:

2500 I.E./m² q2w i.m. (oder i.v. über 1–2 h)
Kinder ≤ 0,6 m² KOF: 82,5 I.E./kg KG

KI

Pankreatitis (auch in der Anamnese) oder bei hämorrhagischer Reaktion auf frühere Asp.-Tx

WW:

T↑ von Antikoagulantien: Cumarin-Derivate, Heparin, Dipyridamol, ASS

H-Form:

L-Fl. 3 750 IE (1)

Pemetrexed (Alimta®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

in Kombination mit Cisplatin als 1st-line-Tx beim Pleuramesotheliom u. fortgeschr. NSCLC (nicht bei PEC-Histologie);
in Mono-Tx als 2nd-line und nach 1st-line Gem/Cisplatin/Taxan-Kombination als Erhaltungs-Tx

Wirk.:

Antimetabolit (Folsäure-Antagonist)

Elim.:

vorwiegend unveränderte renale Ausscheidung, ca. 70–90 % in 24 h

Prämed.:

obligate Prämedikation:

  1. Dexamethason 2 x tgl. 4 mg an Tag –1, 0, +1
  2. Folsäure: 350–1 000 µg p. o., 5-mal von Tag –7 bis Tag –1 vor CTx-Beginn, dann durchgehend bis Tag 21 nach der letzten CTx
  3. Vit. B12: 1 000 µg i. m. 1 Wo. vor der ersten Pemetrexed-Gabe und nach jedem 3. Zyklus zeitgleich mit Pemetrexed

Dos.:

Pemetrexed 500 mg/m² Inf. (10’) Tag 1 q3w; bei Kombination: Cisplatin über 2 h, Beginn 30’ nach Abschluss der Pemetrexed-Inf.;
D-Red. in Abhängigkeit von auftretenden NW

wNW:

KM-Tox, Müdigkeit, Konjunktivitis, milde GI-Tox

WW:

hohe Dosen von NSAR 2 Tage vor u. nach Pemetrexed-Gabe vermeiden;
bei nephrotox. Arzneimitteln o. tubulär sezernierten Substanzen (z. B. Probenecid) verzögerte Ausscheidung möglich

Cave:

bei Krea-Clearance < 45 ml/min Anwendung nicht empfohlen

H-Form:

Dst-Fl. 100 mg (1), 500 mg (1)

Pentostatin (2’-Deoxycoformycin) (Nipent®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

Haarzell-Leukämie

Wirk.:

Adenosin-Deaminidase-Hemmung

Elim.:

renale Ausscheidung (90 %)

Dos.:

ED: 4 mg/m² Bolus oder Inf. (20–30’) q2w;
D-Red. nach Nierenfunktion: GFR 100 ml/min: 20 %, 80 ml/min: 30 %, 60 ml/min: 40 %, 50 ml/min: 60 %, < 50 ml/min: Tx aussetzen

wNW:

KM (!), Fieber, Niere (kumulative Tox), leichte GI-Tox, trockene Haut, Lunge, neurologische Störungen (Kopfschmerzen, Müdigkeit)

WW:

T↑ durch Allopurinol und Nelarabin; Kombination mit Cytarabin o. Fludarabin vermeiden (Lungen-Tox↑), ebenso mit HD-Cyclophosphamid!

Cave:

prä- und post-Tx Hydratation (jeweils 500–1 000 ml)

H-Form:

Amp. 10 mg

Procarbazin (Natulan®)

Appl.:

p. o.; Bioverfügbarkeit nahezu 100 %

Ind.:

M. Hodgkin (nicht zugelassen: ZNS-Tumoren – PCV-Komb.)

Wirk.:

Hemmung von DNS-, RNS- u. Proteinsynthese, wahrscheinlich über aktive Wasserstoffperoxid-Radikale (zyklusspezifisch, S-Phase)

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, renale Ausscheidung

Dos.:

ED: Mono-Tx: 60–100 mg/m²/d für 7–14 d

wNW:

ANE-Syndrom, KM, allergische Reaktionen, Sekundärmalignome, selten interstitielle Pneumonien

ZNS:

Veränderung der Bewusstseinslage, Agitiertheit, Depression

WW:

tyraminhaltige Speisen (Milch, Käse u. v. a.), Alkoholunverträglichkeit (wie nach Disulfiram); T↑ bei Allopurinol-Gabe

KI:

schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen

Cave:

schwere Hämolyse bei Pat. mit G6PD-Defizienz

H-Form:

Kps. 50 mg (50)

Tegafur (Teysuno®)

Appl.:

p. o. (rasche, vollständige Resorption)

Inhalt:

15 mg Tegafur, 4,35 mg Gimeracil und 11,8 mg Oteracil (als 14,7 mg Oteracil-Kalium)

Ind.:

fortgeschrittenes Magen-Ka. in Kombination mit Cisplatin

Wirk.:

  1. Tegafur: nach enteraler Resorption Spaltung zu 5-FU (s. d.)
  2. Gimeracil: DPD-Hemmer, hemmt den 5-FU Abbau
  3. Oteracil: OPRT-Hemmer, setzt die Aktivität von 5-FU in der normalen Magen-Darm-Mukosa herab

Elim.:

Metabolisierung und renale Ausscheidung

Dos.:

25 mg/m² (Tegafur) 2 x tgl. Tag 1–21 q4w; in Komb. mit Cisplatin

wNW:

Diarrhö, ANE-Syndrom, Asthenie

WW:

CYP2A6 (☞ Fachinfo)

H-Form:

Hart-Kps. mit Tegafur 15 mg + Gimeracil 4,35 mg + Oteracil 11,8 mg (42/84/126) und mit 20 mg/5,8 mg/15,8 mg (42/84)

Temozolomid (Temodal® und Generika)

Appl.:

p. o. (Einnahme nüchtern, mindestens 1 h vor dem Essen); i. v.

Ind.:

1st-line kombinierte RCTx des Glioblastoms mit anschl. Mono-Tx;
rez. oder progrediente Glioblastome

Wirk.:

☞ Dacarbazin, Prodrug, wird spontan aktiviert, rasche Liquorpassage

Metabol.:

gering, spontan, nicht hepatisch

Elim.:

renal (Clearance unabhängig von der Nierenfunktion)

Dos.:

komb. RCTx: 75 mg/m² über 6 Wo. + RTx mit 30 ED à 2 Gy (GRD 60 Gy);
Mono-Tx: 150 mg/m² p. o. oder Inf. (90’), Tag 1–5 q4w;
bei akzeptablen NW Dosiserhöhung im 2. Zyklus auf 200 mg/m²

wNW:

KM, ANE (gering), Fatigue

Cave:

starke Sonnenexposition vermeiden, Neutropenie-Risiko↑ bei älteren Pat.

H-Form:

Hart-Kps. 5 mg (20), 20 mg (20), 100 mg (5/20), 140 mg (5), 180 mg (5) und 250 mg (5); Tr-Fl. 100 mg (1)

Thioguanin (Thioguanin Aspen)

Appl.:

p. o.; Einnahme mit reichlich Flüssigkeit außerhalb der Mahlzeiten (Bioverfügbarkeit 20–30 %)

Ind.:

Konsolidierungs-Tx der AML und ALL, Induktionsphase AML

Wirk.:

Antimetabolit

Elim.:

Katabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

AML (TAD-Schema): 100 mg/m² alle 12 h;
ALL: 60 mg/m²/d;
D-Red. bei Leber- und Nierenfunktionsstörung

wNW:

KM-Depression, Infektionen, GI-Intoleranz, Stomatitis, Hyperurikämie (vorbeugend Allopurinol), Hepato-Tox, Cholestase

WW:

synergistischer Effekt mit Cytarabin, Mercaptopurin und Methotrexat;
portale Hypertension/Ösophagusvarizen bei Kombination mit Busulfan;
T↑ durch Aminosalicylsäure-Derivate

Cave:

häufige BB-Kontrollen

H-Form:

Tbl. 40 mg (25)

Topotecan (Hycamtin® und viele Generika, Hycamtin®-Hartkapseln)

Appl.:

i. v., p. o.

Ind.:

i. v.: Ovarial-Ka. (2nd-line), SCLC (2nd-line), Zervix-Ka. (in Komb. mit Cisplatin);
Hart-Kps.: SCLC (2nd-line)

Wirk.:

Topoisomerase-I-Inhibitor, liquorgängig

Elim.:

Ausscheidung renal unverändert (20–60 %)

Dos.:

i. v.: ED: 1,5 mg/m² Inf. (30’) Tag 1–5 q3w;
Kombinations-Tx mit Cisplatin: 0,75 mg/m² Tag 1–3 q3w
p. o.: 2,3 mg/m²/d Tag 1–5 q3w

wNW:

KM, GI-Tox, Alopezie, Anorexie, Infektion, Fatigue

WW:

sequenzabhängige Interaktion mit Platin-Derivaten; oral: Ciclosporin A

H-Form:

Dst-Fl. 1 mg (1), 4 mg (1); Hart-Kps. 0,25 mg (10), 1 mg (10)

Trabectedin (ET-743) (Yondelis®)

Appl.:

i. v.

Ind.:

  1. fortgeschrittenes und met. Weichteilsarkom als Mono-Tx nach Versagen von Anthrazyklinen und Ifosfamid (vorwiegend Lipo- und Leiomyosarkom)
  2. platinsensitives Ovarial-Ka.-Rez., in Kombination mit peg.-lipos. Doxorubicin

Wirk.:

DNS-Bindung („minor groove“)

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4, Ausscheidung vorwiegend biliär,
< 1 % renal

Prämed.:

Dexamethason 20 mg i. v. 30 min vor CTx

Dos.:

ED: 1,5 mg/m² Inf. (24 h) Tag 1 q3w (ZVK oder Port!);
Ovarial-Ka.: 1,1 mg/m² Inf. (3 h) nach peg.-lip. Doxorubicin q3w

wNW.:

KM; Bilirubin↑, ALP↑, ALT↑, CPK↑, Nausea/Emesis

KI:

Bilirubin > ULN, Krea-Clearance < 30 ml/min, CPK > 2,5 x ULN

Cave: prätherapeutische Laborkontrollen mit Tx-Ausschluss, siehe Fachinfo

H-Form:

Tr-Fl. 0,25 mg (1), 1 mg (1)

Treosulfan (TREO) (Ovastat®)

Appl.:

i. v./p. o. (Einnahme mit Milch oder zum Essen; gute Resorption, Bioverfügbarkeit ca. 100 %)

Ind.:

epitheliale Ovarial-Ka.: p. o. nach Versagen einer platinhaltigen CTx;
i. v. als 1st-line-Tx Mono oder in Kombination mit Cisplatin

Wirk.:

DNS-Alkylierung mit Bindung an Guanidin, DNS-Crosslinks; Prodrug, spontane Aktivierung

Elim.:

renale Ausscheidung

Dos.:

ED: p. o. 1 000–1250 mg x 7 d;
i. v. (Inf. 15–30’): Mono-Tx 8 g/m², in Komb. mit Cisplatin 5 g/m² Tag 1 q3–4w;
D-Red. bei gleichzeitiger RTx

wNW:

KM, milde GI-Beschwerden und Allergien, Hautpigmentierung

WW:

nicht bekannt, am Tx-Tag vermehrte Flüssigkeitszufuhr

H-Form:

Kps. 250 mg (50/100); Tr-Fl. 1 g (1/5), 5 g (1/5)

Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf®)

Appl.:

p. o.

Ind.:

met. kolorektales Ka., wenn andere CTx, Anti-VEGF- oder Anti-EGFR-Tx nicht mehr wirksam oder nicht möglich sind

Wirk.:

Trifluridin (Trifluoro-Thymidin) wird phosphoryliert (Thymidinkinase) zu TF-TMP, TF-TDP und TF-TTP und überwiegend als falsche Base in die DNS eingebaut; TF-TMP hemmt reversibel das Enzym Thymidilat-Synthase (Hemmung des Umbaus von dUMP zu dTMP) und bewirkt eine Akkumulation von dUMP;
Tipiracil hemmt parallel das Enzym Thymidin-Phosphorylase, das sonst TF-T rasch abbaut

Elim.:

Metabolisierung durch Thymidin-Phosphorylase, fäkale und renale Ausscheidung

Dos.:

Start-Dosis: 35 mg/m², 2 x tgl. Tag 1–5 und 8–12, q4w
Tx-Pause bei Neutrophile (N) < 500 o. Thrombo (T) < 50 000/µl; Wiederaufnahme bei N > 1500, T > 75 000;
D-Red. jeweils um 5 mg/m² bei: febriler Neutropenie, L < 500 o. T < 25 000 o. Tox Grad 3/4 (Ausnahme therapeutisch beherrschbare Emesis und Diarrhö Grad 3); keine erneute Dosiserhöhung; Tx-Ende, wenn nach 3 D-Red. erneute Tox (s.o.) auftritt

wNW:

Myelosuppression, ANE-Syndrom, Fatigue, Diarrhö

WW:

möglich mit Med., die mit der Thymidinkinase oder spezifischen Transportproteinen interferieren

Cave:

keine Empfehl. bei Krea-Clearance < 30 l/min; Leberfunktion NCI Gr. C und D

H-Form:

Tbl. (Trifluridin/Tipiracil) 15/6,14 mg (20, 60); 20/8,19 mg (20, 60)

Trofosfamid (Ixoten®)

Appl.:

p. o.; Einnahme mit viel Flüssigkeit (Bioverfügbarkeit ca. 100 %)

Ind.:

Non-Hodgkin-Lymphome nach Versagen einer Standard-Tx

Elim.:

Metabolisierung, renale Ausscheidung

Dos.:

ED 150 mg/d;
D-Red. bei Nierenfunktionseinschränkungen

wNW:

KM; selten (bei Dos. > 10 mg/kg KG) ANE-Syndrom, Zystitis, Alopezie

WW:

Verstärkung der Wirkung von Sulfonylharnstoffen (Hypoglykämie)

Besond.:

geringere Immunsuppression als Cyclophosphamid

H-Form:

Mantel-Tbl. 50 mg (50)

Vinblastin (Vinblastinsulfat Teva®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1)

Ind.:

maligne Lymphome, Hoden-, Mamma-Ka., Kaposi-Sarkom

Wirk.:

Bindung und Depolymerisierung der Mikrotubuli der Mitosespindel; Hemmung der DNS-, RNS- und Proteinsynthese

Elim.:

Metabolisierung über CYP3A4-Isoenzym, Ausscheidung biliär (20 %), renal (33 %)

Dos.:

ED: Anfangsdosis 3,7 mg/m², Steigerung pro Wo. um 1,8 mg/m² bis maximal 18,5 mg/m², in der Kombinations-Tx 6 mg/m², langsamer Bolus i. v.;
MD erreicht bei manifester Neuro-Tox;
D-Red. um 50 % bei Bilirubin > 3 mg/dl

wNW:

KM, Obstipation (bis Ileus), Neuropathie, Hypertonie, Bronchospasmus

WW:

in Kombination mit Mitomycin C Gefahr des Bronchospasmus;
mit Asparaginase hepatische Clearance↓ (Gabe 12–24 h vorher)

Cave:

kumulative Neuro-Tox; Ileusgefahr bei gleichzeitiger Gabe von Opiaten;
Injektion nur in große, erreichbare und sichtbare Venen! Bei Verdacht auf Paravasat Injektion sofort abbrechen! Hyaluronidase! ☞ Kap. C1

H-Form:

Dst-Fl. 10 mg (1)

Vincristin (Vincristin Teva, cellcristin®, Vincristin Hexal®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1); cave: bei intrathekaler Applikation letal; als Inf.-Trägerlösung nur NaCl 0,9 % oder Glucose 5 % verwenden

Ind.:

akute Leukämien, maligne Lymphome, Mamma-Ka., SCLC, Ewing-, Rhabdomyosarkom, Wilms-Tumor, Neuroblastom

Wirk.:

☞ Vinblastin

Elim.:

☞ Vinblastin

Dos.:

ED: 1,4 mg/m², max. 2 mg; Alter > 65 J: ED 1 mg;
max. Gesamtdosis: 20 mg;
D-Red. um 50 % bei Bili > 3 mg/dl, bei Obstipation und Neuropathie

wNW:

peripheres Nervensystem, GI-Trakt (Obstipation, Ileus), Blasenatonie, Bronchospasmus; selten: SIADH mit Hyponatriämie – besonders bei intensiver Hydrierung (Platin-Tx)

WW:

☞ Vinblastin

Cave:

☞ Vinblastin

H-Form:

Dst-Fl. 1 mg (1/10), 2 mg (1/10); FS 1 mg (1), 2 mg (1)

Vinflunin (Javlor®)

Appl.:

streng i. v. (Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1); cave: bei intrathekaler Appl. letal

Ind.:

Mono-Tx bei fortgeschr./met. Urothel-Ka., nach Versagen einer Cisplatin-CTx

Wirk.:

☞ Vinblastin

Elim.:

☞ Vinblastin

Dos.:

ED: 320 mg/m² Inf. (20’) q3w;
ECOG 1/0 u. vorherige RTx des Beckenbereichs: Startdosis 280 mg/m²;
ggf. Dosiserhöhung je nach KM-Tox

wNW:

KM-Tox, GI-Tox (Obstipationsprophylaxe ☞ Fachinfo), Anorexie, Übelkeit, Stomatitis/Mukositis, Erbrechen, abdominale Schmerzen und Diarrhö, Asthenie/Müdigkeit

H-Form:

Dst-Fl. 50 mg (1/10), 250 mg (1/10)

Vinorelbin (Navelbine® und viele Generika, Navelbine® Weichkps.)

Appl.:

i. v. (Kurzinf. – cave: Nekrose bei Paravasat! ☞ Kap. C1); p. o.

Ind.:

NSCLC, Anthrazyklin-resistentes Mamma-Ka.

Wirk.:

☞ Vinblastin

Metabol.:

☞ Vinblastin

Dos.:

i. v. ED 25–30 mg/m² q1w (Kurzinf. 6–10’);
p. o. ED: mit 60 mg/m² beginnen q1w (3 Wo.), bei fehlender Tox auf 80 mg/m² erhöhen;
D-Red.: KM-Insuffizienz, schwere Leberinsuffizienz

wNW:

KM, selten Neuro-Tox (Ileusgefahr bei Gabe von Opiaten)

WW:

☞ Vinblastin

Cave:

☞ Vinblastin

H-Form:

Dst-Fl. 10 mg (1/10), 50 mg (1/10/30); Tbl. 20 mg (1/4), 30 mg (1/4)